Smart City Modellprojekt Brandis

Wie funktioniert Digitalisierung in Kommunen im Sinne einer integrierten Stadtentwicklung nachhaltig? Wie kann sie intelligent gestaltet werden kann? Und welche organisatorischen und strukturellen Veränderungen sind dafür in der Verwaltungsorganisation nötig? Um diesen Fragen mit konkreten Projekten nachgehen zu können, stimmte der Stadtrat der Stadt Brandis im Mai 2019 dafür, sich für das Bundesprogramm „Smart Cities“ zu bewerben. Für die Bewerbung unter der Überschrift „Brandis bereitet den Weg zur Digitalisierung der Region Partheland“, die, wie der Name schon sagt, auch Auswirkungen auf die Partheland-Gemeinden Borsdorf, Naunhof mit Belgershain und Parthenstein, Großpösna und Machern haben wird, kam im Juli die Zusage.

Insgesamt werden bis 2027 knapp 4,7 Mio. Euro bereitgestellt. „Deutlich mehr, als wir beantragt haben. In den nächsten beiden Jahren werden wir eine Strategie entwickeln. Und danach können wir konkret in die Umsetzung gehen“, sagt der Brandiser Bürgermeister Arno Jesse. Dafür muss die Kommune einen Eigenanteil von 35 Prozent beisteuern. Allerdings sei hierbei das letzte Wort noch nicht gesprochen, denn „derzeit sind wir im Gespräch mit dem Freistaat Sachsen. Über die Städtebauförderung könnte es möglich sein, dass unser Eigenanteil zur Hälfte darüber gedeckelt wird.“ Aber egal wie, die Projekte und die damit zusammenhängende Finanzierung werden generell über den Stadtrat entschieden. Brandis als Initiator des Gesamtprojektes hat sich auf dem Weg der zukunftsfähigen Stadtentwicklung bereits als „Innovationskommune Sachsen“ und „Open Government Modellkommune“ etabliert. Was hier umgesetzt wird, soll dann für andere abbildbar sein.

Zwei Projekte mit komplexer Herangehensweise

Auf dieser Ebene haben sich bereits zwei konkrete Projekte in Bezug auf Smart City herauskristallisiert. Das wichtigste und gleichzeitig größte Projekt innerhalb Smart City ist das „Zukunftsquartier Beucha“. Hier gilt es, barrierefreies, energieeffizientes und digital unterstütztes Wohnen mit assistiertem, aber selbstbestimmtem Leben Älterer zu gewährleisten. Dabei sollen drei WBS70-Wohnblöcke, die angrenzende Kindertagesstätte „Knirpsentreff“ sowie die Grundschule Beucha gemeinsam unter anderem in Bezug auf intelligente Wärmeversorgung betrachtet und entsprechend umgebaut werden. „Wir wollen hier erreichen, neue Technologien zu implementieren und auf solide Beine zu stellen“, erklärt Arno Jesse die Herangehensweise. Die Versorgung des Quartiers soll über ein Nahwärmenetz geschehen. Um verschiedene innovative Inputs zu bekommen, sind an dem Projekt neben der Stadtverwaltung, der Beuchaer Bau- und Wohnungsgesellschaft und der Projektbegleitung DSK auch die Fachhochschule Zwickau, das Ingenieurbüro seecon sowie die Gesellschaft für Intelligente Infrastruktur Zwickau (GIIZ) involviert. Über den Tellerrand schauen ist das Stichwort. Das größte Potenzial liegt in der Vernetzung und dem Ziel, dass regenerative Energien auch ankommen müssen und das System später als Blaupause für andere Städte und Gemeinden genutzt werden kann.

Das Gleiche gilt für das zweite in Brandis begonnene Vorhaben einer Smart City. Das Projekt „PARTHELAND MOBIL“ (ParMo) soll einen Beitrag dazu leisten, die Mobilität intermodal vernetzt, kosteneffizient und nachhaltig zu gestalten. Kommunale und gewerbliche Fahrzeugflotten sollen als Leuchttürme dienen und erste Erfahrungen mit Corporate-Carsharing-Ansätzen sammeln. Der begleitende Auf- und Ausbau der öffentlichen Ladeninfrastruktur sowie regelmäßige Infoveranstaltungen sollen darüber hinaus das Interesse von Privatleuten an Elektrofahrzeugen steigern. Um die Effekte von regionaler Wertschöpfung und Klimaschutz zu optimieren, soll ein weiterer Fokus auf die dezentrale Versorgung mit erneuerbaren Energien gelegt werden. Auch hierbei spielt die Zusammenarbeit verschiedener Partner eine entscheidende Rolle. Neben der Stadt Brandis und den Kommunen des Parthelandes sind dies federführend die InTraSol – Intelligent Traffic Solutions GmbH mit der Hochschule Nordhausen, das in.RET Institut für Regenerative Energietechnik, die Mitteldeutsche Verkehrsverbund GmbH (MDV) sowie die Regionalbus Leipzig GmbH.

 

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Prof. Jochen Rabe

Professur für Urbane Resilienz und Digitalisierung, Einstein Center Digital Future (ECDF), TU Berlin

Dr. Nadine Kuhla von Bergmann

Gründerin und Geschäftsführerin, Creative Climate Cities
 

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