Datenstrategien in Kommunen

Sichtung und Analyse von Strategien und praktischer Umsetzungsinstrumente/Formate sowie Entwicklung von Handlungsempfehlungen

Steckbrief des Forschungsprojekts

  • Status: laufend
  • Start: Februar 2022
  • Programm: Modellprojekte Smart Cities

Die Untersuchung analysiert relevante Datenstrategien und versucht diese für die kommunale Praxis aufzuarbeiten. Die entwickelten „Datenstrategien für die gemeinwohlorientierte Stadtentwicklung“ sollen operationalisiert und Handlungsempfehlungen zur kommunalen Umsetzung entwickelt werden.


Ausgangslage

Die Smart City Charta des Bundes sowie die Leitlinien und Handlungsempfehlungen zur Entwicklung von Datenstrategien für die gemeinwohlorientierte Stadtentwicklung geben den Rahmen für einen wertebasierten Umgang mit Daten vor. Dieser soll nun von den Modellprojekten Smart Cities (MPSC) strategisch und operativ umgesetzt werden. Bisher gibt es keine beziehungsweise nur sehr wenige Ansätze für Datenstrategien in den deutschen Städten, Gemeinden und Landkreisen. Insofern gibt es diesbezüglich auch unter den MPSC erst wenig Erfahrungen. Vereinzelt finden sich auf Webseiten der Kommunen und Kreise zwar erste Hinweise und Beschlüsse, insgesamt befinden sich die Überlegungen zu einer Datenstrategie jedoch in einem sehr frühen Stadium. Zur wissenschaftlichen Begleitung der MPSC widmet sich die Koordinierungs- und Transferstelle Modellprojekte Smart Cities (KTS) daher im Rahmen dieser Studie dem Aufbau und der Umsetzung lokaler Datenstrategien.

Ziel

Ziel der Begleituntersuchung ist es, zu analysieren, wie die Modellprojekte Smart Cities ihre Datenstrategien aufbauen und im Sinne der Smart City Charta sowie der im Rahmen der Dialogplattform Smart Cities entwickelten „Datenleitlinien“ umsetzen.

Darüber hinaus werden im Verlauf des Projekts bereits existierende und angewandte Datenstrategien im europäischen und internationalen Raum untersucht. Darauf basierend sollen Empfehlungen für die Entwicklung kommunaler Datenstrategien entwickelt werden, um sowohl den MPSC als auch allen weiteren interessierten, nicht geförderten Kommunen in Deutschland Orientierung zu geben.

Die Begleituntersuchung fokussiert strategische Ansätze von Datenstrategien sowie deren institutionelle und instrumentelle Umsetzung. Dabei ist es unerheblich, ob diese innerhalb der Stadt- oder Kreisverwaltung oder in verwaltungsübergreifenden Kooperationsformen entwickelt und implementiert werden.

Die Ziele der Datenstrategien werden besonders im Hinblick auf die Themen der kommunalen Daseinsvorsorge sowie der Entwicklung von neuen Geschäftsmodellen untersucht. Die Reichweite der Datenstrategien kann sich im Rahmen des Forschungsprojekts somit gleichermaßen auf die Daten der Kernverwaltung wie auf eine breitere Basis von Datenstrategien beziehen. Hierzu wird von der Grundüberlegung ausgegangen, dass eine umfassende kommunale Datenstrategie mindestens die kommunalen Beteiligungen einschließt.


Konzept

In der hier dargelegten Begleituntersuchung werden eine Reihe wichtiger Themen und Handlungsfelder adressiert:

  • Daten zielgerichtet für eine integrierte, nachhaltige und gemeinwohlorientierte Stadtentwicklung nutzen und nutzbar machen: Damit Daten als Grundlage für politische Entscheidungen und planerische Festlegungen genutzt werden können, bedürfen sie durch Auswertung, Kontextualisierung und Visualisierung der Übersetzung in entscheidungsrelevante Informationen.
  • Datenkompetenzen aufbauen und weiterentwickeln: Für den strategischen Umgang mit Daten gilt es, auf Seiten der Mandatsträger wie bei den Beschäftigten in den kommunalen Verwaltungen und Beteiligungen das Bewusstsein zur Relevanz von Daten zu stärken und Unsicherheiten im Umgang mit Daten abzubauen.
  • Daten wertorientiert nutzen: Für den Umgang mit Daten bedarf es klarer und gesellschaftlich getragener Grundlagen. Prinzipien der Datenethik, des Datenschutzes und der informationellen Selbstbestimmung, der Datensicherheit und Datenverantwortung bedürfen der gelebten Praxis.
  • Kultur und Standards des Datenteilens entwickeln: Damit der Wert von Daten gehoben werden kann, gilt es, vorhandene Datensilos zu öffnen und Daten rechtssicher und anwendungsorientiert aufzubereiten.
  • Datenkooperation innerhalb der Kommunalverwaltung und mit (öffentlichen wie privaten) Akteuren außerhalb der Verwaltung: Von der öffentlichen Verwaltung generierte Daten dienen dem Gemeinwohl und sollten auch der Wissenschaft und Forschung sowie der privaten Wirtschaft zur Verfügung stehen. Umgekehrt können von privaten Dritten erhobene Daten auch für öffentliches Handeln wertvoll sein (Datenaltruismus oder Civic Tech, aber auch Kostenaspekte für die Erhebung qualitativ hochwertiger Daten und deren Kompensation). Entscheidend ist dabei eine hohe Datenqualität mit möglichst langen Zeitreihen.
  • Standards für Datenteilung und Schnittstellen (API), Maschinenlesbarkeit und Interoperabilität von Daten als Voraussetzung für den Betrieb von Datenplattformen: Der Austausch von Daten bedeutet, diese in ausreichender Qualität und in maschinenlesbarer Form mit offenen Schnittstellen zur Verfügung zu stellen. Die Basis hierfür bildet eine entsprechende Dateninfrastruktur.
  • Kommunale Geschäftsmodelle schaffen, digitale Dienste und Daseinsvorsorge datenbasiert gestalten: Die systematische Nutzung von Daten kann kommunale Leistungen auf Seiten der Verwaltung und der Daseinsvorsorge verbessern. Neue nutzerorientierte und bürgernahe Services spielen dabei eine große Rolle (Bereiche wie etwa Mobilitätstickets, nachfrageorientierte Stromtarife oder Ähnliches).
  • Transparenz schaffen: Es sollten Daten im Interesse der Bürgerinnen und Bürger sowie durch Bürgerinnen und Bürger generierte Daten genutzt werden.
  • Partizipation und Ko-Kreation nutzen: Es braucht Datenstrategien zur Unterstützung des interaktiven Miteinanders der Bürgerinnen und Bürger (Stichworte wie Co-Design oder Crowd-Data).

Arbeitspakete:

Arbeitspaket 1: Analyse vorliegender Erfahrungen zu Datenstrategien auf nationaler, europäischer und internationaler Ebene

Arbeitspaket 2: Vertiefte Analyse von Datenstrategien im europäischen und internationalen Raum

Arbeitspaket 3: Vertiefte Analyse von Datenstrategien ausgewählter MPSC

Arbeitspaket 4: Ableitung von Handlungsempfehlungen und Fachgespräch zu deren Härtung

Arbeitspaket 5: Berichtslegung

Exemplarische Fragen:

  • Welche Datenstrategien werden wo und wie auf nationaler Ebene, insbesondere in den MPSC, entwickelt?
  • Welche europäischen oder auch internationalen Beispiele für Datenstrategien existieren und lassen sich für die Entwicklung von Vorschlägen zur Ausgestaltung von Datenstrategien in deutschen Kommunen nutzen?
  • Inwieweit nehmen Datenstrategien im europäischen und internationalen Raum einen Bezug auf übergeordnete stadtentwicklungspolitische Zielstellungen?
  • Inwieweit greifen die Strategien deutscher Kommunen die jüngst verabschiedeten „Datenstrategien für die gemeinwohlorientierte Stadtentwicklung“ sowie die Ziele der Smart City Charta und die Neue Leipzig Charta explizit oder implizit auf?
  • Welchen Charakter, welchen Konkretisierungsgrad und welche Elemente haben die kommunalen Datenstrategien?
  • Welche Akteure wirken an der Entwicklung der Datenstrategien mit?
  • Welche Organisationsformen werden in der Stadtverwaltung aufgebaut (bspw. Data Steward, Chief Data Officer etc.)?
  • Welche organisatorisch-instrumentellen Lösungen zur Kompetenzförderung werden implementiert (bspw. Digitallotsen)?

Als methodisches Vorgehen wurde eine Mischung aus Desk Research, Fallstudienanalyse mit qualitativer Analyse sowie einem Fachgespräch festgelegt.

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Kontakt

Dr. Jens Libbe

Forschungscluster der Koordinierungs- und Transferstelle Modellprojekte Smart Cities
Deutsches Institut für Urbanistik (Difu)
Forschungspartner
E-Mail: libbe@difu.de

Eva Schweitzer

Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR)
Referat RS 5 „Digitale Stadt, Risikovorsorge und Verkehr“
Telefon: +49 228 99401-1654
E-Mail: eva.schweitzer@bbr.bund.de