Portraitfoto von Renate Mitterhuber
Renate Mitterhuber (Referatsleiterin Smarte Städte und Regionen im Bundesministerium für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen) Renate Mitterhuber

Mit Kompetenz und Kooperation über die Förderung hinaus

19.10.2026

Was bleibt von der Smart Country Convention (SCCON) 2026? Für Renate Mitterhuber vor allem der Eindruck, wie selbstbewusst die Modellkommunen ihre Lösungen präsentieren und neue Kooperationen eingehen. Die Leiterin des Referats Smarte Städte und Regionen im Bundesministerium für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen (BMWSB) spricht über ihre persönlichen Höhepunkte, gutes Storytelling und die Frage, wie Lösungen über das Förderende hinaus bestehen können.

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Frau Mitterhuber, drei Tage SCCON mit einem vollen Programm und vielen Gesprächen liegen hinter Ihnen. Wie geht es Ihnen – erschöpft, inspiriert oder beides?

Renate Mitterhuber: Beides! Drei Tage Messe sind schon sehr viel. Es ging zu wie im Bienenstock, und unsere Modellkommunen waren mittendrin. Sie dort zwischen den großen internationalen Unternehmen ihre Lösungen präsentieren zu sehen, war ein sehr schöner Anblick.

Was war Ihr persönlicher Höhepunkt?

Renate Mitterhuber: Mich hat besonders beeindruckt, wie technisch fit die Modellkommunen inzwischen sind. Sie können mit IT-Dienstleistern und Anbietern auf Augenhöhe diskutieren und verhandeln. Sie wissen genau, was sie brauchen – und auch, was sie nicht brauchen. Wenn ihnen etwas angeboten wird, können sie es fachlich einschätzen. Über die vergangenen Jahre sind im Modellprogramm spürbar Kompetenz und Erfahrungswissen gewachsen.

Das zeigt sich auch in der Art, wie die Kommunen ihre eigenen Lösungen vorstellen. Ein Beispiel von vielen: Eine Kollegin aus Wuppertal präsentiert den digitalen Zwilling, und um sie herum steht eine ganze Traube interessierter Menschen. Diesen Stolz und diese Freude an den eigenen Lösungen zu erleben, hat mir sehr viel Freude bereitet.

Auch bei den auf der Veranstaltung vergebenen Auszeichnungen waren die Modellkommunen erfolgreich. Was bedeutet Ihnen diese Anerkennung?

Renate Mitterhuber: Darüber habe ich mich sehr gefreut! Bamberg hat mit BaKIM den Open Source Wettbewerb in der Kategorie Künstliche Intelligenz gewonnen, Halle (Saale) mit HAL-Plan den Community Award. Wenn auch der Blick von außen bestätigt, dass die Lösungen unserer Modellprojekte preiswürdig sind, ist das großartig.

Am Donnerstagvormittag saßen Sie selbst auf der Bühne. Gemeinsam mit Susanne Klöpping (Bayerisches Digitalministerium), Christiane Lehmann (PwC), Mirko Mühlpfort (Stadt Leipzig) und Bastian Hosan (PAPIERSTAU.tech) diskutierten Sie darüber, wie aus Smart-City-Projekten dauerhafte Strukturen werden. Welchen Gedanken nehmen Sie aus der Diskussion mit?

Renate Mitterhuber: Wir müssen noch stärker Geschichten erzählen, die den konkreten Nutzen von Smart City-Lösungen verdeutlichen. Zum Beispiel die Vorsorge bei Hochwasser oder das frühzeitige Erkennen von Rissen an Brücken – hier wird sofort klar, dass es nicht um technologische Spielereien, sondern um Daseinsvorsorge geht. Diese Lösungen haben einen praktischen Nutzen und stärken die Resilienz unseres Landes. Das müssen wir in der Kommunikation noch deutlicher machen – auch gegenüber Stadt- und Kreisräten. Denn ob der Nutzen gesehen wird, entscheidet darüber, ob solche Lösungen lokal weiter finanziert werden.

Die kommunalen Kassen werden knapper, gleichzeitig endet vielerorts die Förderung. Was braucht es jetzt, damit die Lösungen bestehen bleiben?

Renate Mitterhuber: Bund und Länder müssen dabei helfen, die modellhaften Lösungen in eine tragfähige Infrastruktur zu überführen. Dazu sind wir im Gespräch mit dem Bundesministerium für Digitales und Staatsmodernisierung und den Ländern. Dort werden digitale Infrastrukturen aufgebaut; in unserem Programm werden viele konkrete Lösungen produziert. Wir müssen jetzt schauen, wie wir diese Aktivitäten zusammenbringen.

Wir haben zudem auch die Angebote der Koordinierungs- und Transferstelle Smart Cities neu ausgerichtet: Wir werden die geförderten Kommunen noch zielgerichteter dabei unterstützen, ihre Lösungen zu verstetigen, und öffnen mit der neuen Anlaufstelle für Nachnutzung den Zugang für alle Kommunen über das Förderprogramm hinaus.

Warum ist die Nachnutzung für die Verstetigung so entscheidend?

Renate Mitterhuber: Selbst die besten Lösungen brauchen eine breitere Basis. Wenn innerhalb des Förderprogramms zehn oder fünfzehn Kommunen eine Lösung nutzen, lässt sich darauf kein Geschäftsmodell aufbauen. Gerade kleinere und mittlere Unternehmen im Open-Source-Bereich, die solche Lösungen mit aufgebaut haben und betreiben, brauchen langfristig deutlich mehr Kommunen als Nutzer.

Kommunen und Dienstleister haben deshalb gleichermaßen ein Interesse daran, diese Basis zu verbreitern. Es geht dabei um die Finanzierung des Betriebs und der Weiterentwicklung. Eine Lösung kann nicht auf dem Stand stehen bleiben, den sie beim Förderende erreicht hat. Sie muss weiterentwickelt werden, sowohl im Kontext der IT-Sicherheit wie auch bezüglich ihrer Funktionen.

Eine Messe wie die SCCON lebt nicht nur vom Bühnenprogramm, im Gegenteil: Was bleibt Ihnen von den Begegnungen abseits der Bühnen in Erinnerung?

Renate Mitterhuber: Richtig aufgetankt habe ich bei unserem Treffen mit den Modellkommunen am Mittwoch. Das Bedürfnis, sich untereinander auszutauschen, war groß. Ich konnte praktisch zuhören, wie neue Kooperationen entstanden: Eine Kommune fragt die andere nach ihrer Datenplattform und überlegt, ob diese auch zu den eigenen Anforderungen passen könnte. Dieser Austausch setzte sich bis in die Standempfänge am Abend fort. Dann kam die Wissenschaft hinzu, und man konnte live erleben, wie zwischen Verwaltung und Forschung neue Verbindungen entstehen. Das fand ich wunderbar.

Besten Dank für das Gespräch!