Veranstaltungsraum mit Bühnen und mit Menschen gefüllten Sitzplätzen.
Knapp 60 Smart-City-Interessierte warten nach Guben gekommen. Kenny Fuhrmann Eventfotografie

27. Regionalkonferenz Smart Cities in Guben: Verstetigung im Fokus – Die Smart City zukunftsfest aufstellen

Wie werden Smart-City-Projekte dauerhaft wirksam? Die 27. Regionalkonferenz im brandenburgischen Guben zeigte: Verstetigung gelingt dann, wenn Verantwortung geklärt, Mehrwerte belegt und Lösungen integriert werden.

Event details

Datum
16.04.2026, 09:00 - 16:00
Art der Veranstaltung
Offline (persönlich)
Dokumentation
Veranstaltungsort

Alte Färberei
Straupitzstraße
7-8
03172 Guben
Deutschland

Paragraphs

In der Alten Färberei Guben diskutierten am 16. April 2026 Vertreterinnen und Vertreter aus Kommunen, Politik und Praxis darüber, wie Smart City im Alltag der Kommunen ankommt. Die historische Produktionsstätte, einst Teil der bedeutenden Gubener Hut- und Tuchindustrie, bot einen passenden Rahmen für die Frage, wie sich innovative, digitale Projekte dauerhaft in kommunale Strukturen überführen lassen.

Zum Auftakt machte Gubens Kämmerer Björn Konetzke deutlich, dass Smart City für das 23.000-Einwohner-Städtchen an der polnischen Grenze eine langfristige Zukunftsinvestition sei. Als zentralen Erfolgsfaktor nannte er die Einbindung aller relevanten Akteure, insbesondere in der Verwaltung. 

Renate Mitterhuber vom Bundesministerium für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen (BMWSB) unterstrich die Bedeutung von Vernetzung, Kooperation und Nachnutzung. „Wir können es uns nicht mehr leisten, alles neu zu erfinden“, so ihr Tenor. Die im Bundesförderprogramm Modellprojekte Smart Cities (MPSC) entstandenen über 650 Lösungsansätze seien ein „Schatzkästchen“, das stärker genutzt werden müsse. 
 

Von der innovativen Idee in den Regelbetrieb

Impuls Jan Abt Regionalkonferenz Guben 2026
Erscheinungsjahr 2026
Vorschaubild für Datei Von der innovativen Idee in den Regelbetrieb
Mann hält einen Vortrag.
Jan Abt, Deutsches Institut für Urbanistik Kenny Fuhrmann Eventfotografie

Wie Verstetigung konkret gelingen kann, erläuterte Jan Abt vom Deutschen Institut für Urbanistik (Difu) in seinem Impuls. Entscheidend sei, dass frühzeitig mitgedacht werde, ob und wie eine Maßnahme in den Regelbetrieb übergeht: „Verstetigung fängt immer früher an, als man denkt“, so Abt. Fünf Prinzipien seien zentral: klare Verantwortlichkeiten, kontinuierliche Kommunikation, frühzeitige Wirkungsmessung, technische Integration sowie das Teilen von Kosten bei gleichzeitiger Sichtbarmachung von Mehrwerten.
 

Das Modellprojekt Smart Cities Guben stellt sich vor

Impuls Ronny Jüngel Regionalkonferenz Guben 2026
Erscheinungsjahr 2026
Vorschaubild für Datei Das Modellprojekt Smart Cities Guben stellt sich vor
Eine Frau interviewt einen Mann auf einer Bühne
Projektleiter Ronny Jüngel (r.) stellte im Interview mit Moderatorin Luise Ruge (l.) das Modellprojekt Smart Cities Guben vor. Kenny Fuhrmann Eventfotografie

Praxisnah zeigte Ronny Jüngel vom Modellprojekt Smart Cities Guben, wie diese Prinzipien umgesetzt werden. Die Stadt habe nicht nur Einzellösungen entwickelt, sondern gezielt Verwaltungsmitarbeitende vernetzt. Anwendungen wie eine digitale Buchungsplattform oder smarte Fahrradboxen erleichterten den Alltag für Bürgerinnen und Bürger und steigerten die Effizienz der Verwaltung. Viele Lösungen entstanden in interkommunaler Zusammenarbeit – etwa durch die Übernahme der Buchungsplattform Biletado aus Süderbrarup oder die Nutzung bestehender Smart-City-Infrastruktur aus Potsdam.

 Podiumsdiskussion auf Bühne
"Zukunftsfeste smarte Lösungen – Von der Idee zur integrierten Infrastruktur": So lautete der Titel der Podiumsdiskussion. Kenny Fuhrmann Eventfotografie

Die Podiumsdiskussion drehte sich um die zentrale Frage: Was macht eine Smart-City-Lösung zukunftsfähig? 

Für Maik Jahn, in der Stadt Frankfurt (Oder) für digitale Themen zuständig, müssen Lösungen vor allem im Alltag bestehen. Für Kämmerer Björn Konetzke zählt vor allem: Lösungen müssen wirtschaftlich tragfähig sein und gleichzeitig einen konkreten Nutzen bringen – für Bürgerinnen und Bürger wie für die Verwaltung. 

Spannend auch der Blick auf die übergeordnete Ebene: Rebecca Lea Freudl vom Ministerium der Justiz und für Digitalisierung Brandenburg beschrieb den Aufbau einer gemeinsamen Datenplattform für Brandenburg, von der jede Kommune künftig profitieren könne. 

Renate Mitterhuber betonte die Rolle unterstützender Strukturen und hob das Angebot der Koordinierungs- und Transferstelle Modellprojekte Smart Cities (KTS) „Start Smart“ sowie die DigitalAgentur Brandenburg GmbH (DABB) als Vorbilder hervor, um smarte Lösungen in die Fläche zu bringen: „Trotz knapper Kassen: Digitalisierung ist das Betriebssystem, das unsere Kommunen unbedingt brauchen.“

Smarter Markplatz

Von Projekten zu Wirkung: Ergebnisse der Workshops

Auch die Workshops am Nachmittag bestätigten: Erfolgreiche Smart-City-Ansätze entstehen dort, wo Kommunen zusammenarbeiten, Ressourcen teilen und voneinander lernen. Gleichzeitig bleiben Herausforderungen wie Datenschutz und komplexe Rahmenbedingungen bestehen.

Workshop A: Verstetigen statt versanden: Kommunale Projekte auf Erfolgskurs bringen

Workshop A: Verstetigen statt versanden: Kommunale Projekte auf Erfolgskurs bringen

Frau hält Vortrag
In einem Workshop wurde gemeinsam mit der DigitalAgentur Brandenburg GmbH (DABB) herausgearbeitet, wie digitale Projekte den Sprung vom Pilot in den Dauerbetrieb schaffen und wo typische Stolpersteine liegen. Frauke Kruse führte ins Thema ein. Kenny Fuhrmann Eventfotografie

Moderation: Kathrin Specht, DigitalAgentur Brandenburg GmbH (DABB)   

(Dokumentation folgt in Kürze.) 

Workshop B: Smart City gemeinsam voranbringen: Erfahrungen mit interkommunaler Zusammenarbeit

Workshop B: Smart City gemeinsam voranbringen: Erfahrungen mit interkommunaler Zusammenarbeit

Mann erklärt etwas auf Konferenz
Malte Specht von der Zukunftsschusterei in Bad Belzig stellte die interkommunale Zusammenarbeit der Stadt am Beispiel der Smart Village App vor. Kenny Fuhrmann Eventfotografie

Moderation: Johanna Amtmann, Koordinierungs- und Transferstelle Modellprojekte Smart Cities (KTS) / Urban Catalyst
 
Inputs: Ronny Jüngel, Modellprojekt Smart Cities Guben 
Malte Specht, Modellprojekt Smart Cities Bad Belzig 

Die Teilnehmenden erhielten im Workshop einen praxisnahen Einblick, wie die Kommunen Bad Belzig und Guben die Buchungsplattform Biletado erfolgreich einsetzen und weiterentwickeln. Ronny Jüngel und Malte Specht stellten die Software in einer Live-Demonstration in Frontend und Backend vor und erläuterten deren wichtigste Funktionen. Die Plattform ermöglicht die zentrale Buchung von Räumen, Sportanlagen und Geräten. Nutzende können über die Funktion „Abhängigkeiten“ zusätzliche Ausstattungen direkt mitbuchen. Selbst spezielle Anwendungsfälle wie Fahrradboxen lassen sich mit einem digitalen Schließsystem integrieren. In der Gegenüberstellung der Arbeitsweise mit der Plattform durch die beiden Kommunen konnten die Teilnehmenden nachvollziehen, wie sich Biletado im kommunalen Alltag anwenden lässt und welche praktischen Erfahrungen bei der Implementierung gesammelt wurden.  

Ein zentrales Learning war, dass die Einführung von Biletado vor allem dazu diente, Verwaltungsprozesse effizienter zu gestalten und Kosten zu senken. Besonders relevant für die Teilnehmenden: Der bewusste Einsatz bestehender Lösungen statt Eigenentwicklungen spart Ressourcen und beschleunigt die Umsetzung. Hier bietet Biletado sehr gute Anknüpfungspunkte zur Weiterentwicklung.  

Am Beispiel der Smart Village App wurde anschließend deutlich, welchen Mehrwert interkommunale Zusammenarbeit bietet. Die Teilnehmenden nahmen mit, dass gemeinsam entwickelte und finanzierte Lösungen nicht nur wirtschaftlicher sind, sondern auch funktional wachsen und qualitativ profitieren. 

Der Workshop vermittelte damit eine klare Kernbotschaft: Nachhaltige digitale Lösungen entstehen vor allem durch Zusammenarbeit. Durch die gemeinsame Nutzung und Weiterentwicklung über mehrere Kommunen hinweg, kann eine langfristige Nutzung von Open-Source-Lösungen gesichert und somit Investitionen langfristig wirksam werden.

(In Kürze stellen wir hier die Präsentationen aus dem Workshop zur Verfügung.)

Workshop C: Dank digitaler Tools in die Zukunft schauen: Simulationen in der Smart City

Workshop C: Dank digitaler Tools in die Zukunft schauen: Simulationen in der Smart City

Frau hält Vortrag
Dr. Katja Maerker vom Umweltamt der Stadt Dresden stellte im Workshop einen Starkregenzwilling vor. Kenny Fuhrmann Eventfotografie

Moderation: Felix Rudroff, Koordinierungs- und Transferstelle Modellprojekte Smart Cities (KTS) / DLR-Projektträger
 
Inputs: Dr. Katja Maerker, Modellprojekt Smart Cities Dresden 
Timon Dischmann, Modellprojekt Smart Cities Leipzig 

Die vorgestellten Ansätze aus Leipzig reichten von günstigen Verkehrssensoren bis zu Müllfahrzeugen, die Schlaglöcher erfassen. Eine klare Botschaft von Timon Dischmann war, dass Kooperation sowohl mit dem Umland – im Falle Leipzigs zum Beispiel mit dem Modellprojekt Smart Cities Partheland –, als auch mit anderen Kommunen gewinnbringend sein könne und kreative Ansätze Kosten sparten. Katja Maerker aus dem Umweltamt der Stadt Dresden stellte den kürzlich veröffentlichten Starkregenzwilling der Stadt vor (Digitaler Zwilling Dresden). Dieser bildet sowohl unterschiedliche Starkregenszenarien als auch das Elbhochwasser ab. Ein zentrales Ziel ist neben der Visualisierung auch die Sensibilisierung für drohende Szenarien. Das Dresdner Beispiel zeigt den Mehrwert von einer Zusammenarbeit mit Hochschulen vor Ort. Die Zukunftswerkstatt im Anschluss verdeutlichte, wo Bedarfe derzeit liegen. Einerseits müsse Silodenken überwunden werden und das Know-how in der Verwaltung sei zu sichern. Besonders zentral: aus den Erfahrungen anderer zu lernen und Allianzen zu bilden.

(In Kürze stellen wir hier die Präsentationen aus dem Workshop zur Verfügung.)

Guben als Beispiel gelebter Transformation 

Beim Ausklang im Stadt- und Industriemuseum erlebten die Teilnehmenden, wie Guben historische Gebäude erhält und zugleich neu nutzt, etwa durch die Umwandlung einer Industriellenvilla in ein Mehrgenerationenhaus. Die Verbindung von Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft ist in Guben nicht nur Kulisse, sondern gelebte Praxis und steht exemplarisch für den Geist smarter Städte und Regionen: Bestehendes weiterentwickeln, gemeinsam handeln und Lösungen langfristig verankern.
 

Programm Regionalkonferenz Guben

Erscheinungsjahr 2026
Vorschaubild für Datei Programm Regionalkonferenz Guben

Contacts

Fachliche Ansprechperson

Felix Rudroff

Projektbüro KTS / DLR Projektträger
Tel.: +4922838211156
Organisatorische Ansprechperson

Kirsten Bauer

DLR-PT
Koordinierungs- und Transferstelle Modellprojekte Smart Cities / DLR Projektträger

Event location

Veranstaltungsort