- Status: abgeschlossen
- Laufzeit: August 2025 bis Februar 2026
- Programm: Modellprojekte Smart Cities
Ausgangslage
Smart-City-Maßnahmen werden in deutschen Kommunen zunehmend eingesetzt, um digitale Lösungen für urbane Herausforderungen zu erproben. Dabei stehen häufig direkte Effekte im Vordergrund, beispielsweise in der Daseinsvorsorge, im Ressourcenschutz oder bei der Digitalisierung von Verwaltungsprozessen. Weniger sichtbar, aber ebenso bedeutsam, sind die indirekten Effekte, etwa in Bezug auf regionalwirtschaftliche Wirkungen, die solche Maßnahmen auslösen können. Dazu zählen unter anderem die Aufwertung von Standorten oder Stadtquartieren, die Förderung von Innovationsökosystemen, neue Formen der lokalen Kooperation oder Impulse für den Tourismus und die Wirtschaftsförderung.
Diese indirekten Effekte sind – quantitativ wie qualitativ – in der Praxis oft schwierig zu erfassen und noch weniger systematisch kommunizierbar. Vielen Kommunen fehlten bislang geeignete Instrumente und Argumentationshilfen, um solche Wirkungen sichtbar zu machen und für kommunale Entscheidungsprozesse oder diese bei der Verstetigung von Projekten systematisch zu berücksichtigen. In der Folge wurde das wirtschaftliche Potenzial digitaler beziehungsweise smarter Lösungen oft nicht ausgeschöpft und wichtige Chancen für die lokale Entwicklung und die Fördermittelbindung blieben teilweise ungenutzt.
Ziel
Das Ziel der Studie war es, diese Lücke zu schließen, indem sie aufzeigt, wie indirekte regionalwirtschaftliche Effekte von Smart-City-Maßnahmen in kommunalen Diskursen thematisiert und zur Begründung oder Verstetigung von Projekten genutzt werden. Im Zentrum standen dabei nicht betriebswirtschaftliche Kennzahlen, sondern strategische Kommunikationslinien, die Entscheidungsprozesse auf lokaler Ebene beeinflussen.
Erwartet wurde eine systematische Aufarbeitung von Fallbeispielen beziehungsweise derer Argumentationsmustern, die in verschiedenen Projekttypen vorkommen, sowie deren Einordnung in Zielgruppen- und Wirkungszusammenhänge. Das Ergebnis ist ein praxisorientierter Kurzbericht, der kommunalen Akteuren als Argumentationshilfe dient und zeigt, wie Smart-City-Maßnahmen mittels wirtschaftlicher Relevanz begründet und damit die Chancen auf Verstetigung und politische Unterstützung gestärkt wurden. Damit leistete die Studie einen konkreten Beitrag zur nachhaltigen Wirkung und Weiterentwicklung der Smart-City-Stadtentwicklung in Deutschland.
Konzept
Die Studie folgte einem mehrstufigen qualitativen Untersuchungsdesign: Zunächst wurden über eine Literaturrecherche grundlegende Argumentationslinien zu regionalwirtschaftlichen Effekten von Smart-City-Maßnahmen identifiziert. Darauf aufbauend erfolgte ein Screening geförderter Maßnahmen aus den Modellprojekten Smart Cities (MPSC), um potenzielle, wirtschaftlich relevante Untersuchungsfälle auszuwählen.
In weiteren Arbeitsschritten wurden ausgewählte Fallstudien durch Interviews mit Projektverantwortlichen vertieft untersucht. Dabei standen Wahrnehmungen und Kommunikationsstrategien im Vordergrund, mit denen indirekte wirtschaftliche Effekte in Entscheidungsprozesse eingebracht werden. Die Ergebnisse wurden systematisch ausgewertet, anonymisiert dargestellt und in Form eines praxisnahen Kurzberichts für kommunale Akteure aufbereitet.
Ergebnisse
Die Studie zeigte anhand ausgewählter Fallbeispiele, dass Smart-City-Maßnahmen über ihre unmittelbaren Projektergebnisse hinaus indirekte regionalwirtschaftliche Effekte entfalten können. Dazu zählen
- eine verbesserte Standortattraktivität,
- die Stärkung regionaler Innovations- und Kooperationsstrukturen,
- neue Formen der Zusammenarbeit zwischen Verwaltung, Wirtschaft, Wissenschaft und Stadtgesellschaft sowie
- Impulse für Fachkräftesicherung, Tourismus, Lebensqualität und Standortimage.
Diese Effekte lassen sich häufig nicht kurzfristig über klassische Kennzahlen nachweisen, können aber als plausible Wirkpfade, beobachtete Entwicklungen und qualitative Hinweise beschrieben werden.
In den Fallstudien wurden wiederkehrende Argumentationsmuster sichtbar. Kommunen nutzen solche Narrative, um Smart-City-Maßnahmen gegenüber Politik, Verwaltung, Wirtschaft und Öffentlichkeit zu legitimieren, zu priorisieren, weiterzuentwickeln und zu verstetigen. Die Studie ordnet diese Wirkungen entlang der Wirkungskette der Methodik Input, Output, Outcome und Impact ein: So können kurzfristige Projektergebnisse, direkte Wirkungen im Einflussbereich der Maßnahme und mittel- bis langfristige regionalwirtschaftliche Effekte nachvollziehbar voneinander unterschieden und zugleich strategisch miteinander verbunden werden.
Als Ergebnis stellt die Studie eine Argumentationshilfe für kommunale Akteure bereit. Sie bündelt Narrative und Wirkpfade aus Literatur, Dokumenten und Interviews, enthält Reflexionsfragen und Formulierungsbausteine für unterschiedliche Zielgruppen und gibt Anregungen zur Wirkungsmessung. Damit trägt sie dazu bei, ökonomische Aspekte digitaler Stadtentwicklung in kommunalen Entscheidungsprozessen sichtbarer zu machen, die Verstetigung erfolgreicher Smart-City-Maßnahmen fachlich und politisch besser zu verankern und diese nicht nur technologisch, sondern auch als Instrumente aktiver Regional- und Standortentwicklung zu begründen.
Auftragnehmer des Forschungsprojektes waren das Fraunhofer-Institut für Experimentelles Software Engineering IESE und das Deutsche Institut für Urbanistik (Difu) als Teil des Forschungsclusters der Koordinierungs- und Transferstelle Modellprojekte Smart Cities.