MYK Maker Space
RegioHub Mayen

Technik muss den Bedürfnissen der Menschen folgen

05.10.2026

Das Modellprojekt „Smarte Region MYK10“ des Landkreises Mayen-Koblenz (MYK) hat in den vergangenen Jahren verschiedene digitale Lösungen und neue Strukturen entwickelt: von einer Datenplattform über digitale Tourismusangebote bis zu Begegnungs-, Innovations- und Lernräumen. Mit Blick auf das Ende der Bundesförderung Ende 2027 rückt die Frage in den Fokus, wie sich erfolgreiche Ansätze dauerhaft verankern lassen. Tobias Querbach ist seit Juli 2025 Chief Digital Officer (CDO) des Landkreises Mayen-Koblenz. Im Interview gibt er einen Überblick über Erfahrungen und Erfolgsfaktoren bei der Verstetigung in der Smarten Region MYK10.

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Herr Querbach, Ende 2027 endet die Bundesförderung für Ihr Modellprojekt. Wissen Sie schon, welche Maßnahmen Sie danach fortführen? 

Unsere fünf RegioHubs an unterschiedlichen Orten und der MY Makerspace in Mayen werden auch nach dem Förderzeitraum fortgeführt. Dies wurde mit den Kommunen bereits durch Verträge beschlossen. Die RegioHubs haben sich als multifunktionale Arbeits-, Begegnungs-, Innovations- und Lernräume bewährt. Der MY Makerspace ist ein inzwischen etablierter generationsübergreifender und bedarfsorientierter Lern- und Kreativraum zum Ausprobieren, zum Tüfteln und zum Umsetzen von Ideen. Im Mittelpunkt steht der Umgang mit Medien und Kultur in vielfältigen Bildungsformaten. Bei anderen Maßnahmen, wie unserer urbanen Datenplattform, stehen wir noch vor der Entscheidung. Die Politik fordert hier noch verständlicherweise konkrete Ergebnisse. 

Was braucht es aus Ihrer Erfahrung, damit der Übergang von geförderten Projekten in reguläre kommunale Strukturen im ländlichen Raum gelingt?

Als ländlich geprägter Landkreis ist es besonders wichtig, Verbandsgemeinden und Städte für gemeinsame Projekte zu gewinnen. Deshalb diskutieren und entscheiden wir gemeinsam, von der Idee bis zur Umsetzung. Die politischen Gremien binden wir regelmäßig ein: durch Informationen im Kreisausschuss und Kreistag sowie formale Beschlüsse, die Planungssicherheit schaffen.

Eine große Herausforderung für viele Modellprojekte Smart Cities ist die Finanzierung von Maßnahmen nach Förderende. Wie gehen Sie mit dieser Situation um? Haben Sie eventuell spannende Ansätze gefunden, von denen andere lernen können?

Von Beginn an waren wir in manchen Projekten im Südwest-Cluster organisiert, einem interkommunalen Zusammenschluss von sechs Modellprojekten aus Rheinland-Pfalz und dem Saarland. Herzstück der Kooperation ist der gemeinsame Aufbau einer offenen und rechtssicheren urbanen Datenplattform. Der gemeinsame Aufbau hat sich bewährt: Erstens konnten wir die Entwicklungskosten teilen. Und zweitens ist die Plattform von Anfang an nachnutzbar angelegt, wir müssen das Rad also nicht immer wieder neu erfinden. 

Auch andere Ansätze haben sich bewährt. Zum Beispiel haben wir für den Makerspace mit der Katholischen Familienbildungsstätte Mayen einen vor Ort bekannten externen Träger gefunden, was seine Verankerung in der Zivilgesellschaft und die Akzeptanz vor Ort stärkt. Als Erfolgsfaktor hat sich außerdem die bereits erwähnte transparente Kommunikation gegenüber der Politik bewährt. Das so gewonnene Vertrauen hat sehr geholfen, finanzielle Unterstützung zu sichern.

Ihr Kreistag hat mit der „Digitale Agenda 2026“ einen jährlich fortgeschriebenen Maßnahmenplan beschlossen. Welchen Tipp geben Sie anderen Kommunen, einen solchen Maßnahmenplan so zu gestalten, dass er flexibel bleibt?

Viele sind inzwischen müde, lange Strategiepapiere zu lesen. Strategien landen daher dann meistens in der Schublade. Deshalb empfehlen wir, Strategie und Arbeitsplan konsequent zu trennen: Die Strategie gibt Orientierung für mehrere Jahre, während unser Maßnahmenplan „Digitale Agenda“ als jährlich fortgeschriebenes Programm konkrete, überprüfbare Ziele und Verantwortlichkeiten festlegt. Auch neue Vorhaben, Anpassungen und Schwierigkeiten machen wir dort transparent. Das stärkt die Glaubwürdigkeit gegenüber Politik und Zivilgesellschaft. Ein Projekt, die MYK-App, hat beispielsweise nicht funktioniert. Sie wurde zu Beginn zu umfassend konzipiert und ist dann an der fehlenden Zuständigkeit für die Pflege der Inhalte gescheitert. Dazu stehen wir. Denn auch das gehört zu einer guten Lernkultur.

Mit Blick auf die Zukunft nach der MPSC-Förderung 2027: Welches Ihrer Projekte hat das größte Potenzial, als Blaupause für andere Kommunen zu dienen, die nach pragmatischen und finanzierbaren Lösungen suchen?

Für den ländlichen Raum sind das die RegioHubs und der Makerspace, weil sie ein universelles Strukturproblem angehen: Leerstand, fehlende Treffpunkte und schwindende Nahversorgung. Wir nutzen hier ein modulares Konzept: Standort, Nutzungsmix und Betreibermodell können je nach Ort angepasst werden. Den Makerspace verstehen wir als neue Art des Jugendzentrums: unter anderem mit einem 3D-Drucker, einem kleinen Podcast-Studio, Nähmaschinen und Werkbänken.

Auch unsere Datenplattform zusammen mit einem LoRaWAN-Netz und der Sensorik lässt sich auf andere Kommunen übertragen, die technische Infrastruktur kosteneffizient aufbauen wollen, ohne selbst große IT-Kapazitäten vorhalten zu müssen. Die Datenplattform hat das Südwest-Cluster als Open-Source-Lösung umgesetzt. Aktuell entwickeln wir Anwendungsfälle für den Nahverkehr und Katastrophenschutz, in dem zum Beispiel Daten für die Hochwasserfrühwarnung nutzbar gemacht werden. Damit leistet die Plattform einen konkreten Beitrag zur Daseinsvorsorge.

Wenn Sie die Essenz Ihrer bisherigen Arbeit kurz zusammenfassen: Welche zentrale Erkenntnis über die digitale Transformation im ländlichen Raum möchten Sie mit anderen Kommunen teilen?

Digitalisierung im ländlichen Raum wirkt dann, wenn sie kein Selbstzweck ist, sondern als Werkzeug spürbaren Nutzen für Menschen vor Ort bringt. Technik muss dabei immer den Bedürfnissen der Menschen folgen und nicht umgekehrt.

Besten Dank für das Gespräch!

 

MYK Regio Hub
Räumlichkeiten eines Regiohubs MYK Regio Hub