Blick auf eine Bühne mit fünf Diskussions-Teilnehmenden
Die Podiumsdiskussion "Stadtplanung neu denken: Wie werden die Daten einer Kommune für alle nutzbar?" auf der 26. Regionalkonferenz der Modellprojekte Smart Cities in Kempten (Allgäu). DLR / Tobias Hartmann

26. Regionalkonferenz in Kempten (Allgäu): Smart Data, Smart City!

Zur Regionalkonferenz der Modellprojekte Smart Cities (MPSC) trafen sich am 25. März 2026 rund 110 Vertreterinnen und Vertreter aus Kommunen, Bund, Ländern, Wissenschaft und Praxis in Kempten (Allgäu), um zu diskutieren, wie kommunale Daten zu besseren Entscheidungen beitragen und tatsächlich wirksam werden können. Deutlich wurde: Viele Lösungen sind bereits entwickelt – entscheidend ist nun, sie anschlussfähig zu machen und für andere Kommunen nutzbar zu halten.

Event details

Datum
25.03.2026, 09:30 - 16:00
Art der Veranstaltung
Offline (persönlich)
Dokumentation
Veranstaltungsort

Kornhaus Kempten (Allgäu)
Großer Kornhausplatz 1
-
87439 Kempten
Deutschland

Paragraphs

Digitalisierung, die im Alltag ankommt

Zum Auftakt der Regionalkonferenz betonte Thomas Kiechle, Oberbürgermeister der Stadt Kempten (Allgäu), dass Digitalisierung für viele Bürgerinnen und Bürger noch zu abstrakt sei. Für Kempten stehe Smart City deshalb nicht für Technologie um ihrer selbst willen, sondern für konkrete Anwendungen im Alltag. Ziel sei es, kommunale Aufgaben der Daseinsvorsorge – von Energie über Mobilität bis zur Stadtplanung – so zu gestalten, dass Menschen den Nutzen smarter Lösungen direkt sehen und mehr Lebensqualität vor Ort erleben können. 

Renate Mitterhuber vom Bundesministerium für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen (BMWSB) knüpfte daran an und stellte die strategische Weiterentwicklung des MPSC-Förderprogramms in den Mittelpunkt. Daten seien der Dreh- und Angelpunkt des Programms, betonte sie. Viele Lösungen seien bereits entwickelt und erprobt – nun gehe es darum, sie zu verstetigen und gemeinsam weiterzuführen. So eröffne sich damit für alle Kommunen die Möglichkeit, auf ein wachsendes Portfolio an erprobten Lösungen zurückzugreifen und diese an die eigenen Bedarfe anzupassen.

Datenbasierte Stadtentwicklung: Vom digitalen Zwilling zur Entscheidung

Einen fachlichen Impuls setzte Felix Hörmann aus dem Referat der Stadtplanung und Bauordnung, Smart City München. In seinem Vortrag spannte er den Bogen von der Industrialisierung zur digitalen Transformation und erinnerte daran, was jene Entwicklungen bereits möglich gemacht haben – und was Kommunen heute erreichen können, wenn sie ihre Stadtentwicklung datenbasiert und vorausschauend gestalten. Als Beispiel nannte er München, das mit digitalen Zwillingen und urbanen Datenplattformen unterschiedliche Datenquellen zusammenführt und so eine fundierte Grundlage für kommunale Planungen und Entscheidungen schafft. Gleichzeitig zeige sich, so Hörmann, dass das Potenzial solcher Ansätze nur dann ausgeschöpft werden könne, wenn Daten stärker standardisiert, vernetzt und über kommunale Grenzen hinweg nutzbar gemacht würden. Hörmann plädierte daher für einen intensiveren Austausch zwischen Kommunen sowie für gemeinsame Standards und Infrastrukturen, um vorhandene Lösungen effizient weiterzuentwickeln und Ressourcen besser zu nutzen.

Einfach mal „mächeln“: Smarte Lösungen aus Kempten

Wie aus Datenwelten konkrete Anwendungen entstehen, zeigte Andreas Ellinger vom Modellprojekt Smart Cities Kempten. Unter dem Leitgedanken des „Mächelns“ – im Allgäu ein Ausdruck für ein pragmatisches Loslegen, Entwickeln (neudeutsch: „lean“) – setzt Kempten auf eine smarte Strategie, die nah am Alltag ansetzt und schnell Wirkung zeigt. Ein Beispiel ist die Ausstattung von Klassenzimmern mit Sensorik, die den Energieverbrauch in Echtzeit sichtbar macht und zu einem bewussteren Umgang mit Ressourcen führen soll. Dieser Ansatz macht auch über die Klassenzimmer hinaus Schule, etwa durch ein verändertes Mobilitätsverhalten bei Eltern und sogenannter Elterntaxis. Ellinger zeigte auch, dass datenbasierte Anwendungen verlässliche Grundlagen bräuchten. Am Beispiel einer KI-gestützten Wärmebedarfsplanung veranschaulichte er, wie fehlerhafte Datensätze zu unzuverlässigen Ergebnissen führen können. Neben Mut zum Ausprobieren sei daher, so Ellinger, vor allem ein kritischer Umgang mit Daten entscheidend.

Von Daten zu Wirkung: Was jetzt zählt

Die Podiumsdiskussion mit Susanne Klöpping, Bayerisches Staatsministerium für Digitales, Andreas Ellinger, MPSC Kempten, Nicole Dunkenberger, Stadt Friedrichshafen, und Renate Mitterhuber, BMWSB, spitzte die zentrale Frage zu: Wie werden Daten im kommunalen Alltag wirklich wirksam? Eine klare Botschaft zog sich durch die Diskussion: Smart City ist nicht Konkurrenz, sondern Gemeinschaftsaufgabe. Kommunen profitierten davon, Lösungen zu teilen und voneinander zu lernen, statt sie immer wieder neu zu entwickeln. Ebenso stellte sich heraus wurde: Der Maßstab ist der Nutzen. Digitale Anwendungen sollten im Alltag ankommen, etwa bei Sicherheit, Mobilität oder Klimaanpassung, und sie sollten für Bürgerinnen und Bürger verständlich und erlebbar sein. Gleichzeitig benannten die Diskutierenden offen die Hürden: Zu wenig Ressourcen, zu viele Schnittstellen, zu wenig Sichtbarkeit. Datenbasierte Ansätze scheiterten nicht an der Idee, sondern oft an Strukturen, Zuständigkeiten und fehlender Standardisierung. Am Ende zeigte sich das Podium überraschend einig: Viele Lösungen seien bereits vorhanden. Entscheidend sei nun, sie anschlussfähig zu machen, zu teilen und weiterzuentwickeln. Erfolg entstehe dort, wo andere Kommunen vorhandene Lösungen aufgriffen und für ihre eigenen Bedarfe nutzten.

Lösungen im Austausch: Gemeinsam lernen und entwickeln

Auf dem „Markt der Möglichkeiten“ wurde sichtbar, wie vielfältig und praxisnah Smart-City-Lösungen heute bereits sind. Vorgestellt wurden dort unter anderem der Makerspace Kempten als Makerwerkstatt für Kinder und Jugendliche, Verkehrs- und Kooperationsprojekte des Allgäuer Überlandwerks (AÜW) und der Hochschule Kempten sowie übertragbare Ansätze aus der Smart City Bamberg oder die „Konstanzer Sommerorte“.  

 

 

 

KI im Einsatz: Daten für gesunde Stadtbäume

Im Workshop zum KI-gestützten Grünflächenmanagement wurde am Beispiel der Lösung BAKIM aus Bamberg gezeigt, wie Daten zur Pflege und zum Erhalt von Stadtbäumen beitragen können. Sensorik und Auswertung ermöglichen es, den Zustand von Bäumen besser zu erfassen und deren Pflege gezielter zu steuern. Deutlich wurde dabei auch, wie breit das Feld künstlicher Intelligenz ist und wie wichtig es ist, Funktionsweise und Einsatzmöglichkeiten solcher Systeme zu verstehen, um sie sinnvoll in der Praxis anzuwenden.

Smart Data für die Stadtentwicklung: Daten verstehen und nutzen

Der Workshop zu Smart Data vermittelte verständlich, wie zentral Daten für Planungsprozesse sind, etwa bei Fragen der Verkehrssteuerung oder regionaler Mobilitätsströme. An konkreten Beispielen aus der Smart City Kempten wurde diskutiert, welche Daten benötigt werden, wie sie zusammengeführt werden können und welche Rolle KI künftig bei der Auswertung spielen kann. Gleichzeitig formulierten die Teilnehmenden klare Anforderungen: bessere Datenverfügbarkeit, verständliche Auswertungen und perspektivisch auch standardisierte Schnittstellen, um Daten effizient nutzen zu können.

Digitale Zwillinge: Perspektiven für Planung und Beteiligung

Im Workshop zu digitalen Zwillingen wurde anhand von Beispielen aus dem MPSC Kirchheim bei München greifbar, wie datenbasierte Modelle sowohl für die Verwaltung als auch für die Öffentlichkeit neue Perspektiven eröffnen. Digitale Zwillinge ermöglichen es, Planungsprozesse transparenter zu gestalten und Beteiligung zu stärken. Gleichzeitig wurde der Bedarf an mehr Datenkompetenz und einer stärkeren Nutzung entsprechender Werkzeuge betont – verbunden mit der zentralen Frage, welche Daten Kommunen tatsächlich benötigen und wie diese sinnvoll integriert werden können.

Vom Modell zur Struktur: Datenwelten wirksam machen

Die Regionalkonferenz in Kempten hat gezeigt: Datenwelten sind heute schon in vielen Kommunen Realität. Sie entwickeln bereits jetzt – oft auch gemeinsam – Anwendungen, erheben Daten, erproben Lösungen. Die entscheidende Frage ist nun, wie daraus dauerhaft wirksame Strukturen entstehen. Im Mittelpunkt steht dabei die Nutzung: Daten entfalten ihren Wert erst dann, wenn sie Entscheidungen konkret und praxistauglich verbessern, etwa in der Stadtplanung, der Klimaanpassung oder anderen Aufgaben der Daseinsvorsorge. Die Voraussetzung dafür sind verlässliche Daten, anschlussfähige Systeme und ihre Verankerung im Verwaltungsalltag. Damit verschiebt sich der Fokus von der Entwicklung zur Umsetzung. Verstetigung und Skalierung werden zur gemeinsamen Aufgabe von Bund, Ländern und Kommunen, um bestehende Lösungen weiterzuführen und in die Fläche zu tragen. Denn genau da entsteht Wirkung: Dort, wo Daten geteilt und Lösungen so gestaltet werden, dass andere Kommunen darauf aufbauen und sie weiternutzen können.

Regionalkonferenz Kempten (Allgäu) Agenda

Erscheinungsjahr 2025

Regionalkonferenz Kempten (Allgäu) Agenda

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Regionalkonferenzen der Modellprojekte Smart Cities

Die Modellprojekte Smart Cities laden regelmäßig in unterschiedliche Regionen Deutschlands ein, die Ergebnisse ihrer Arbeit vor Ort zu entdecken und kennenzulernen. Die Veranstaltungen richten sich an Vertreterinnen und Vertreter aller Kommunen aus der Region, die sich zum Thema Smart City informieren und austauschen wollen.

Hier über das Modellprojekt Smart Cities Kempten.

Auf dem Markt der Möglichkeiten, der ein fester Bestandteil jeder Regionalkonferenz ist, können Interessierte mit Kommunen aus ihrer Region in Kontakt treten sowie sich über deren Smart-City-Angebote informieren. Allen Kommunen auf dem Weg zur Smart City steht auch das Angebot Start Smart zur Verfügung. Dieses beinhaltet Beratungsangebote rund um das Thema „Smart Cities“.

Contacts

Fachliche Ansprechperson

Nora Immink

DLR Projektträger
Koordinierungs- und Transferstelle Modellprojekte Smart Cities; Co-Leitung Projektbüro
Tel.: +4922838211061
Organisatorische Ansprechperson

Kirsten Bauer

DLR-PT
Koordinierungs- und Transferstelle Modellprojekte Smart Cities / DLR Projektträger

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