Smart City Modellprojekt Solingen

„Obwohl wir bekanntermaßen wenig Geld in der Stadtkasse haben, investieren wir als wachsende Stadt seit Jahren kräftig in den Ausbau der digitalen Infrastruktur in den Schulen, Kindergärten und Verwaltungsgebäuden. Wir haben uns schon 2018 mit der Digitalisierungsstrategie ehrgeizige Ziele gesetzt: für die digital arbeitende Verwaltung, für einen Busverkehr, der nur noch elektrisch fährt und ohne Diesel auskommt, und vieles mehr. Das Geld aus Berlin versetzt uns nun in die Lage, noch ehrgeiziger zu sein: Sensorik und künstliche Intelligenz, smarte Lösungen sollen in die Verkehrssteuerung einziehen. Stadtentwicklung und Verkehrsplanung werden sich wandeln. City 2030, die Solinger Innenstadt, wird auch ein Labor für digitale Ansätze werden, die das Leben der Städtebewohner bereichern und erleichtern.“

Oberbürgermeister Tim Kurzbach

Die Digitalisierung wird viele Bereiche der Verwaltung, Wirtschaft und Stadtgesellschaft nachhaltig verändern. Eine Smart City nutzt Informations- und Kommunikationstechnologien, um zum Beispiel kommunale Infrastrukturen fit für die Zukunft zu machen. Diese Möglichkeiten zeigt Solingen im Smart-City-Modellprojekt konkret in der Solinger Innenstadt. Die bereits 2018 beschlossene Digitalisierungsstrategie wird dazu mit dem Innenstadtkonzept City 2030 verzahnt.

Das Modellprojekt legt so den räumlichen Schwerpunkt auf die Innenstadt, die einerseits durch Rückzug des Einzelhandels, Gewerbeleerstand und hohe Verkehrsbelastung geprägt ist. Andererseits herrscht eine große Wohnungsnachfrage. Vor diesem Hintergrund sollen mit digitalen Technologien Wohn- und Aufenthaltsqualität gesteigert werden. In der Innenstadt wird in diesem Jahr eine Begegnungsstätte aufgebaut, die Bürgerbeteiligung und die Zusammenarbeit unterschiedlicher Organisationen verbessert. Durch die Arbeit mit Prototypen wird ein schnelles Feedback aus der Stadtgesellschaft ermöglicht.

Eine Besonderheit des Solinger Projektes: Über eine urbane Datenplattform soll die Schnittstelle zu Smart-Home-Systemen aufgebaut werden, die exemplarisch mit dem Open-Source-System openHAB gezeigt wird. Grundsätzlich ist die Kommunikation mit der Stadtgesellschaft ein wichtiges Thema. So sollen lokale Informationen aus Umwelt- und Wettersensoren über eine App und eine digitale Stele zur Verfügung gestellt werden, sowohl als Information sowie durch Anwendungen, wie die Warnung vor lokalen Hitzezonen.

Die weiteren Maßnahmen im Überblick:

Sicherheit

Die Lichttechnik der öffentlichen Beleuchtung wird intelligent: Die Beleuchtungsstärke des Abblendlichts von Fahrzeugen kann reduziert werden, wenn die Straßenbeleuchtung ausreichend hell ist. Die Straßenbeleuchtung wird außerdem witterungsabhängig. Die Eigenschaft der optimierten Beleuchtung bei regennasser Fahrbahn wirkt sich insbesondere für ältere Verkehrsteilnehmer positiv aus.

Durch den Einsatz smarter Sicherheitspoller soll zum einen dem Terrorrisiko bei Veranstaltungen auf großen Plätzen begegnet werden, ohne dass „Betonklötze“ die Lebens- und Aufenthaltsqualität stören.

Mobilität

Durch die Innenstadt verlaufen wichtige Hauptverkehrsadern: Die Erhebung entsprechender Verkehrsdaten und die darauf aufbauende Steuerung sind wichtige Faktoren für die Aufenthalts- und Lebensqualität in der Innenstadt. Im Rahmen des Projektes sollen sowohl Parkplatzsensoren sowie Sensoren für den ruhenden und bewegten Verkehr die Datengrundlage für eine effizientere Verkehrssteuerung bieten und zur Reduzierung des Parksuchverkehrs beitragen. Die Bereitstellung von Ladesäulentechnik für Autos, eBikes und eRoller soll die Elektromobilität weiter fördern.

Umwelt

In der Innenstadt kommen Wetter- und Umweltsensoren zum Einsatz: Verkehrsströme können dadurch anders gelenkt werden und optimieren so nicht nur den Verkehrsfluss, sondern tragen auch zu einer verbesserten Luftqualität bei.

Entsorgung

Die öffentlichen Müllbehälter sowie die Bio-Tonnen erhalten eine Füllstandssensorik, um eine intelligente Routenplanung realisieren zu können. Kosten können eingespart werden, wenn nur noch die vollen Mülleimer angefahren werden müssen.

Kommunikationsinfrastruktur

In der Innenstadt sollen zwei Testfelder mit 5G-Technologie erschlossen werden. Diese sollen der Verwaltung dazu dienen, Erfahrungen mit der neuen Technologie zu sammeln und neue Anwendungen zu entwickeln. Sogenannte Roadsite Units sammeln Daten zum Verkehrsgeschehen und unterstützen die Verkehrssteuerung.

 

Stimmen aus dem Netzwerk

Videos

Prof. Jochen Rabe

Professur für Urbane Resilienz und Digitalisierung, Einstein Center Digital Future (ECDF), TU Berlin

Dr. Nadine Kuhla von Bergmann

Gründerin und Geschäftsführerin, Creative Climate Cities
 

Kontakt

Modellprojekte Smart Cities
smart-city-dialog@bmi.bund.de