Zwei Menschen vor drei Bildschirmen schauen auf eine Simulation
Eine neue Studie aus der Begleitforschung der Modellprojekte Smart Cities (MPSC) zeigt, wie digitale Zwillinge die kommunale Wärmeplanung strategisch unterstützen. Andrey Popov – stock.adobe.com

Digitale Zwillinge machen kommunale Wärmeplanung greifbar

18.02.2026

Wie können Städte ihre Energieversorgung mithilfe digitaler Modelle klimafreundlich gestalten? Eine neue Studie aus der Begleitforschung der Modellprojekte Smart Cities (MPSC) zeigt, wie digitale Zwillinge die kommunale Wärmeplanung strategisch unterstützen.

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Kommunen, die ihre Wärmeversorgung klimaneutral ausrichten wollen, stehen vor großen Herausforderungen: Sie müssen Gas- und Fernwärmenetze bewerten, künftige Energiebedarfe einschätzen und passende Lösungen für eine CO2-freie Energieversorgung entwickeln. In der Praxis fehlt dabei oft der Überblick: Daten liegen verteilt vor, Szenarien lassen sich kaum vergleichen, Zusammenhänge bleiben unsichtbar. Urbane digitale Zwillinge (UDZ) können an dieser neuralgischen Stellen die kommunale Wärmeplanung strategisch unterstützen. 

Vom Datensatz zum Entscheidungsraum

UDZ bündeln räumliche, technische und organisatorische Informationen. So bilden sie die Kommune digital ab. Sie zeigen, wo wie viel Wärme benötigt wird, machen bestehende Netze sichtbar und identifizieren sinnvolle Wärmelösungen vor Ort.

Die Untersuchung stützt sich auf 189 Kommunen, die im Frühjahr 2025 bereits Wärmeplane erstellt hatten oder noch daran arbeiteten. Ergebnis: Digitale Zwillinge werden vor allem zu Beginn der Planung genutzt – für Bestands- und Potenzialanalysen oder zur Entwicklung von Zielszenarien. Häufig setzen Kommunen dabei auf externe Dienstleister. 

Der größte Nutzen entsteht, wenn UDZ zu den vorhandenen Daten, Ressourcen und Strukturen der Kommune passen. Vom einfachen Visualisieren bis zur komplexen Simulation – der Mehrwert hängt von den Möglichkeiten vor Ort ab. 

„Entscheidend für den Erfolg ist weniger die technische Leistungsfähigkeit der eingesetzten Software als die institutionelle Verankerung, die kommunale Datenhoheit und der Aufbau interner Kompetenzen: Ohne klar geregelte Datenzugänge, Schnittstellen und Verantwortlichkeiten bleibt der Nutzen von UDZ begrenzt“, so Projektleiterin Lisa Dreier vom Deutschen Institut für Urbanistik.

Vier Kommunen, vier unterschiedliche Wege

Eine Tabelle
Übersicht der unterschiedlichen Typen urbaner digitaler Zwillinge in der Wärmeplanung DLR / difu

Die Studie zeigt, dass Kommunen anders vorgehen. Beispielsweise: 

  • steuert München seine Wärmeplanung intern und datenbasiert. Analyse und Simulation bilden die Grundlage für strategische Entscheidungen.
  • nutzt Halle (Saale) einen extern entwickelten digitalen Zwilling, der insbesondere Gebäudebestände sichtbar macht und Energieverbräuche auswertet.
  • setzt der Landkreis Lörrach auf einen interkommunalen Ansatz, der Transparenz schafft und kleinere Gemeinden entlastet.
  • ergänzt Zürich die deutsche Perspektive mit einem europäischen Beispiel: Hier liegt der Fokus auf Datenhoheit und klar geregelten Zuständigkeiten in der Verwaltung.

Schrittweise entwickeln statt alles auf einmal

Der Praxisbericht empfiehlt, UDZ schrittweise einzuführen. Ein klarer Anwendungsfall erleichtert den Einstieg. Verlässliche Daten und einfache Darstellungen reichen zunächst aus, weitere Analyse- oder Simulationsfunktionen können später hinzukommen. So bleibt die Wärmeplanung handhabbar und erweiterbar – auch wenn Zeit und Personal knapp sind. 

Denn mit der gesetzlichen Pflicht zur Wärmeplanung gewinnt diese Aufgabe zusätzlich an Gewicht. „Urbane digitale Zwillinge helfen Kommunen, Wärmeplanung aus der abstrakten Datenebene in den konkreten Stadtraum zu holen“, sagt Dr. Ralf Schüle, Projektleiter im Referat „Digitale Stadt, Risikovorsorge und Verkehr“ im Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR). „Sie schaffen Orientierung, machen Szenarien vergleichbar und unterstützen Entscheidungen – vorausgesetzt, sie passen zu den kommunalen Strukturen.“

Smart-City-Forschung

Herausgeber des Praxisberichts „Urbane digitale Zwillinge in der kommunalen Wärmeplanung“ ist das Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR). Die Veröffentlichung ist Teil der Begleitforschung im Programm Modellprojekte Smart Cities. Das Deutsche Institut für Urbanistik (Difu) und das Fraunhofer-Institut für Experimentelles Software Engineering IESE haben die Handlungshilfe erarbeitet.

Kontakt

Lisa Dreier

Deutsches Institut für Urbanistik
Beratung und Forschung