Lichtwand auf Messe mit Beschriftung "Abschauen erwünscht – Smarte Städte und Regionen für alle"
Abschauen erwünscht! – Unter diesem Motto präsentierten sich die Modellprojekte Smart Cities auf der Smart Country Convention 2025. Reinaldo Coddou

Nachnutzen statt neu erfinden: Smart-City-Lösungen wirken weiter

02.02.2026

Die Modellprojekte Smart Cities (MPSC) zeigen, wie in einer Kommune entwickelte Lösungen auch andernorts wirken. Beispiele aus Paderborn, Halle (Saale), Würzburg und Bamberg machen deutlich, was Nachnutzung leistet und worauf es dabei ankommt.

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Ziel des MPSC-Förderprogramms ist es, Lösungen zu entwickeln, die auch andere Kommunen nutzen können. Deshalb gelten für alle MPSC Open-Source-Prinzipien und eine klare Verpflichtung zum Wissenstransfer. Aktuelle Daten zeigen, dass zahlreiche Lösungen bereits in anderen Kommunen angekommen sind: Laut der jüngsten Befragung im Dezember 2025 gab es schon  knapp 300 Übertragungen in andere Kommunen. Die Koordinierungs- und Transferstelle Modellprojekte Smart Cities (KTS) erhebt zudem gerade systematisch die Gelingensbedingungen für erfolgreiche Übertragungen. Drei konkrete Beispiele aus der Praxis der MPSC zeigen, worauf es ankommt:  

Von Halle (Saale) nach Paderborn: Der HAL-Plan zieht Kreise

Modell der Stadt Saale und Hände, die darauf zeigen
„Core-Modul“ des HAL-Plans aus Halle (Saale) Stadt Halle (Saale)

Das MPSC Paderborn hat das „Core-Modul“ des HAL-Plans aus Halle (Saale) nachgenutzt – dieses ist ein wichtiger Baustein für den digitalen Zwilling in der Stadtentwicklung. „Für uns war es ein großer Glücksfall, dass es mit dem HAL-Plan bereits etwas gab, das unsere Anforderungen weitgehend abdeckt“, berichtet die Paderborner Projektleiterin Tanja Schürholz. Statt bei null zu beginnen, konnte das Team sofort testen, gemeinsam weiterentwickeln und Paderborner Besonderheiten ergänzen. „So profitiert nicht nur Paderborn von Halle (Saale), sondern auch umgekehrt, denn unsere Erweiterungen stellen wir wieder der Community zur Verfügung.“

Ein weiterer Mehrwert liegt jenseits des Codes: Die Erfahrungen aus Halle (Saale) halfen auch bei organisatorischen Fragen rund um Einführung, Nutzung und Zusammenarbeit in der Verwaltung. In Paderborn wurden demgemäß unter anderem Import- und Exportfunktionen erweitert, zusätzliche Dateiformate integriert und ein Metadatenkatalog angebunden, um den Zugriff auf zahlreiche Geodaten zu erleichtern. Zudem wurde die Storytelling-Funktion ausgebaut, um etwa Planungsalternativen für politische Gremien anschaulich aufbereiten zu können. 

Eine zentrale Herausforderung: die Datenbasis. „Um das Potenzial des digitalen Zwillings voll auszuschöpfen, müssen die richtigen Daten im richtigen Format und aktuell vorliegen“, so Schürholz. Bewährt habe sich ein klares Rollenkonzept: Kleine Nutzergruppen mit jeweils ein bis zwei „Power Usern“ aus der Stadtverwaltung, unterstützt durch feste Ansprechpersonen und Sprechstunden, erleichterten den Einstieg erheblich.

Von Bamberg nach Würzburg: Ein Ferienportal geht auf Reisen

Schrftzug Wü und Freizeit mit einem buntem Herz dazwischen
Smarte Region Würzburg

Auch in der Smarten Region Würzburg zeigte sich, wie Nachnutzung gelingen kann – am Beispiel eines digitalen Ferienangebotsportals. Ausgangspunkt war das Info- und Buchungsportal „Ferienabenteuer Bamberg“, entwickelt im Rahmen des Modellprojekts Smart Cities der oberfränkischen Stadt. 

„Im regelmäßigen Austausch erfuhren wir, dass der Landkreis Bamberg an einem Ferienportal arbeitet“, erzählt Tilman Hampl, Smart City Manager bei der Stadt Würzburg. Gerade beim Jugendamt im Landratsamt war das Interesse groß: Die bisherige analoge Abwicklung des Ferienpasses war zeit- und ressourcenintensiv. In der ersten Phase standen grundlegende Fragen im Raum: Müssen Prozesse an die Software angepasst werden – oder umgekehrt? Braucht es eine Trennung zwischen Stadt und Landkreis, etwa wegen unterschiedlicher Finanzierungswege? Und wie lässt sich eine gemeinsame Ausschreibung gestalten? Zunächst fand man keine Einigung. Bamberg entwickelte die Plattform daher zunächst selbstständig mit einem Dienstleister und stellte den Code anschließend Open Source bereit.

Genau das machte den zweiten Anlauf erfolgreich. „Als die Software fertig war, konnten wir die Interessen der Würzburger Fachbereiche viel einfacher mit den vorhandenen Funktionen abgleichen“, so Hampl. Der Landkreis Würzburg beauftragte Anpassungen – mit Erfolg: Seit Sommer 2025 werden erste Ferienangebote über wue-liebt-freizeit.de abgewickelt. 

App-Store statt Code: Würzburg geht noch einen Schritt weiter

Eine wichtige Erkenntnis der Würzburger: Open Source ist frei zugänglich, erfordert aber technisches Know-how und IT-Ressourcen. Um diese Hürde zu senken, geht Würzburg jetzt einen neuen Weg. Auf der urbanen Datenplattform „Smart City Hub“ werden einsatzbereite Anwendungen bereitgestellt – vom Ferienportal über Open Data bis hin zu einem Ticketsystem: Perspektivisch sollen diese Lösungen auch anderen Kommunen – wie in einem App-Store – testweise zur Verfügung stehen: nutzbar, abonnierbar oder als Open Source zur eigenen Installation.

Von Menden nach Bamberg: „Erlebnis.Stadt“

Viele verschiedene Fotos aus der Stadt in Form einer Collage zusammengestellt
mendigital GmbH

Das Portal „Erlebnis.Stadt“ macht lokale Geheimtipps, Lieblingsorte und Erlebnisse sichtbar: Seit Dezember 2025 ist das Portal im südwestfälischen Menden und in Olpe online, und bald gibt es den Ansatz auch in Bamberg „Wir sind auf die in Menden entwickelte konkrete Lösung auf dem MPSC-Kongress 2023 aufmerksam geworden“, berichtet Sascha Götz, Leiter des Programms Smart City der Stadt Bamberg. Die Idee, Orte und Erlebnisse aus der Perspektive der Stadtgesellschaft sichtbar zu machen, war in Bamberg jedoch bereits angelegt: Sie stammt aus einer Bürgerbeteiligung und ist auch in der Smart-City-Strategie skizziert. Nach dem Kongress habe man die Mendener kontaktiert und erste Unterlagen sowie einen Klickdummy erhalten. „Die Anforderungen waren ähnlich, und der Gewinner der Ausschreibung war derselbe Dienstleister wie in Menden. So konnten beide Lösungen parallel entwickelt und an unsere Bedürfnisse angepasst werden“, erklärt Götz.

Auch die Übertragung verlief unkompliziert: Die Mendener Lösung war noch nicht final, sodass der gleiche Dienstleister Anpassungen effizient umsetzen konnte. In Bamberg wird das Angebot in die City-App integriert und unter dem Namen „Dein Bamberg“ umgesetzt. Ein neues Feature wird eine Crowdsourcing-Funktion sein, mit der Bürgerinnen und Bürger ihre persönlichen Geheimtipps eintragen können. Derzeit ist die Funktion zwar noch nicht online, wird Bürgerinnen und Bürgern und Besucherinnen und Besuchern in Bamberg aber schon bald Orientierung und Inspiration bieten.

„Für erfolgreiche Übertragungen braucht es zwei Dinge: Ein bisschen Stolz auf die eigenen Lösungen, von denen man dann gern erzählt. Und echte Neugierde und Respekt für die Lösungen der anderen Städte, die man dann gerne auch selbst übernimmt.“ Sascha Götz, Smart City Bamberg

Persönlicher Austausch und gemeinsame Weiterentwicklung als Erfolgsfaktoren 

Die laufende Auswertung der KTS-Befragung zu Gelingensbedingungen zeigt deutlich, dass erfolgreiche Übertragungen vor allem dann gelingen, wenn sie bereits in der Entwicklungsphase mitgedacht werden. Persönliche Kontakte und der direkte Austausch zwischen Kommunen spielen dabei eine zentrale Rolle. Als besonderer Mehrwert wird zudem die gemeinsame Weiterentwicklung der Lösungen gesehen. Die vollständige Auswertung wird demnächst zur Verfügung gestellt. Nachahmenswerte Lösungen für alle Kommunen bereiten wir laufend in unserem Smart City Lösungen auf. 

Kontakt

Dorothee Fricke

DLR Projektträger
Chefredaktion KTS; Redaktion Smart City Dialog / Newsletter Praxiswissen
Tel.: +4922838211775