Eine Frau vor Publikum deutet mit ihrem Arm in eine Richtung
Da geht's lang: Mobilität in ländlichen Regionen in die richtige Richtung weisen, darum ging es unter anderem auf der 25. Regionalkonferenz der Modellprojekte Smart Cities im ostfriesischen Geestland. Markus Münch, Bremerhaven Business Fotografie / DLR

25. Regionalkonferenz in Geestland: Smart City goes Dorf Mobilität als Schlüssel zur Daseinsvorsorge

Wie kann Mobilität im ländlichen Raum langfristig gesichert werden? Und welche Rolle spielt Digitalisierung dabei? Mit diesen Fragen beschäftigte sich die 25. Regionalkonferenz der Modellprojekte Smart Cities (MPSC) in der Stadt Geestland und brachte rund 60 kommunale Vertreterinnen und Vertreter, Fachakteure sowie Interessierte aus Verwaltung, Wissenschaft und Praxis zusammen. Unter dem Titel „Smart City goes Dorf: Vom Acker zum Algorithmus“ stand die Verbindung von technologischer Innovation, kommunaler Praxis und strategischer Daseinsvorsorge im Mittelpunkt.

Event details

Datum
24.02.2026, 09:30 - 17:00
Art der Veranstaltung
Offline (persönlich)
Dokumentation
Veranstaltungsort

Evangelisches Bildungszentrum Geestland
Alter Postweg 2
27624 Geestland
Deutschland

Paragraphs

Smart City im ländlichen Raum neu denken

Zum Auftakt begrüßte Bürgermeisterin Gabi Kasten die Teilnehmenden und machte deutlich, dass Smart City kein Großstadtprivileg sei. Für Geestland stehe Digitalisierung nicht für Technik um ihrer selbst willen, sondern für konkrete Lösungen im Alltag. In einer Flächenkommune gehe es darum, Mobilität, Daseinsvorsorge und Teilhabe auch bei großen Entfernungen und begrenzten Ressourcen sicherzustellen.

Renate Mitterhuber vom Bundesministerium für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen (BMWSB) betonte die strategische Bedeutung der Modellprojekte Smart Cities. Diese seien bewusst als Lern- und Experimentierräume angelegt, um neue Lösungen unter realen Bedingungen zu erproben und Erkenntnisse für die kommunale Praxis zu gewinnen. Gerade im ländlichen Raum zeige sich, dass Digitalisierung ein wichtiger Baustein moderner Strukturpolitik sei – vorausgesetzt, Maßnahmen seien praxistauglich, finanzierbar und eng an den Bedarfen vor Ort ausgerichtet.

Autonome Mobilität als strategische Aufgabe

Einen fachlichen Impuls setzte Katharina Karnahl vom DLR Institut für Verkehrssystemtechnik. Insbesondere vor dem Hintergrund des prognostizierten Fachkräftemangels im Busverkehr erläuterte sie das Potenzial autonomer Shuttle-Systeme des Level 4 als Ergänzung zum bestehenden öffentlichen Nahverkehr. Autonomes Fahren könne dazu beitragen, Angebote flexibler und wirtschaftlicher zu gestalten, vor allem in dünn besiedelten Regionen.

Gleichzeitig wurde deutlich: Die Einführung neuer Technologien ist eine kommunale Gestaltungsaufgabe. Fragen der Integration in bestehende Verkehrsnetze, der Organisation der „letzten Meile“ sowie der Akzeptanz in der Bevölkerung müssen frühzeitig berücksichtigt werden.

„Dat plietsche Dörp“: Digitalisierung vor Ort

Wie Smart City im ländlichen Raum konkret umgesetzt wird, zeigten Laura Kottsieper und Merlin Hinkelmann vom Modellprojekt Smart Cities Geestland. Unter dem Leitmotiv „Dat plietsche Dörp“ setzt die Kommune auf eine intelligente Vernetzung von Infrastruktur und Bürgerservices. Dazu gehören der Ausbau eines LoRaWAN-Netzes, mobile Verwaltungsangebote, digitale Kommunikationsformate sowie der Ankerort „zeit:maschine“ als Treffpunkt und Informationsplattform mit Repair-Café und Energieberatungsangeboten. Der Ansatz verdeutlicht: Smart City gepaart mit Digitalisierung entfaltet ihren Nutzen dort, wo sie verständlich, zugänglich und anwendungsnah gestaltet wird. So kann sie dazu beitragen, kommunale Leistungen effizienter zu organisieren und gleichzeitig die Lebensqualität vor Ort zu stärken.

Zwischen Modellprojekt und Verstetigung

In der anschließenden Podiumsdiskussion diskutierten Gabi Kasten, Renate Mitterhuber, Roman Prager (Mobilitätszentrale Elbe Weser) und Uwe Sternbeck (Niedersächsischer Städtetag) unter der Moderation von Annie Heger zentrale Herausforderungen der Mobilität im ländlichen Raum. Themen waren unter anderem die Sicherung bestehender ÖPNV-Strukturen, neue Finanzierungsmodelle, die Rolle autonomer Systeme sowie die unterschiedlichen Mobilitätsbedarfe der Bevölkerung.

Dabei wurde auch eine zentrale Frage der Smart-City-Förderung deutlich: Wie können erfolgreiche Ansätze aus Modellprojekten verstetigt und in die Fläche getragen werden? Neben technischer Innovation brauche es dafür langfristige Finanzierungs- und Organisationsstrukturen sowie eine enge Zusammenarbeit zwischen Kommunen, Ländern und Bund, wie Mitterhuber appellierte.

Praxis vertiefen: Lösungen gemeinsam weiterdenken

Nach dem Besuch des Markts der Möglichkeiten und dem gemeinsamen Mittagessen arbeiteten die Teilnehmenden am Nachmittag in drei Workshops an konkreten Fragestellungen aus der kommunalen Praxis. Im Mittelpunkt standen LoRaWAN-Anwendungen für die kommunale Infrastruktur, der Einstieg in die digitale Transformation sowie das Potenzial kommunaler Datenplattformen für ländliche Räume.

Im Workshop zu LoRaWAN zeigte sich der Mehrwert des kommunalen Erfahrungsaustauschs besonders deutlich: Anhand konkreter Anwendungsfälle entwickelten die Teilnehmenden in Gruppen Lösungsansätze für reale Herausforderungen. Die gemeinsame Bearbeitung machte sichtbar, wie unterschiedliche Perspektiven zu tragfähigen Ideen führen können. Ein Beispiel für die „Schwarmintelligenz“, die das Programm Modellprojekte Smart Cities gezielt fördert. Neben technischen Fragen wurden auch Synergien zwischen Anwendungsfeldern wie Energie, Infrastrukturmanagement und Bürgerservices diskutiert.

Der Workshop „Smart starten statt warten“ richtete sich insbesondere an Kommunen, die sich noch am Anfang ihrer Smart-City-Reise befinden. Die zentrale Erkenntnis: Digitale Lösungen sind längst keine optionale Ergänzung mehr, sondern ein wichtiger Bestandteil kommunaler Daseinsvorsorge. Gleichzeitig zeigt sich ein Wandel in der kommunalen Praxis: Statt abstrakter Strategien rücken konkrete Problemstellungen und umsetzbare Lösungen stärker in den Fokus. Dass viele Kommunen diesen Weg bereits gegangen sind und ihre Erfahrungen teilen, ist ein wesentlicher Erfolg des Förderprogramms und seines Wissenstransfers.

Im Workshop zu Datenplattformen wurde deutlich, wie entscheidend nachhaltige und interoperable Strukturen sind. Diskutiert wurde, welche Anforderungen Systeme erfüllen müssen, um auch langfristig nutzbar zu bleiben, und welche kommunalen Fragestellungen mit integrierten Daten beantwortet werden können. Ein zentraler Appell lautete, Datensilos aufzubrechen und Informationen ressortübergreifend verfügbar zu machen. Erst durch vernetzte Daten entstünden neue Auswertungsmöglichkeiten und zusätzliche Mehrwerte für Planung, Steuerung und kommunale Dienstleistungen.

Wissen teilen, Lösungen übertragen

Mit der Präsentation des „Herzstückprojekts“ der Smart City Geestland, dem autonomen Bus, endete die Regionalkonferenz. Dieser Abschluss machte deutlich, welch Bedeutung der Austausch zwischen Kommunen hat und wie wichtig es ist, dass die KTS mit ihren Veranstaltungen Räume schafft, in denen Erfahrungen offen diskutiert, Herausforderungen gemeinsam reflektiert und übertragbare Lösungsansätze entwickelt werden können. Denn die Diskussionen in Geestland zeigten: Smart City im ländlichen Raum ist keine Frage technischer Machbarkeit, sondern eine strategische Aufgabe kommunaler Entwicklung, die konsequent an den Bedarfen der Menschen ausgerichtet ist. Das wagt Geestland mit dem autonomen Bus und möchte wegweisend für weitere Kommunen sein. Geestland steht damit beispielhaft für mehr als ein Förderprojekt im ländlichen Raum. Hier steht Smart City für einen Baustein moderner Strukturpolitik, die digitale Innovation, kommunale Verantwortung und Daseinsvorsorge dauerhaft miteinander verbindet.

Regionalkonferenzen der Modellprojekte Smart Cities

Die Modellprojekte Smart Cities laden regelmäßig in unterschiedliche Regionen Deutschlands ein, die Ergebnisse ihrer Arbeit vor Ort zu entdecken und kennenzulernen. Die Veranstaltungen richten sich an Vertreterinnen und Vertreter aller Kommunen aus der Region, die sich zum Thema Smart City informieren und austauschen wollen.

Hier erfahren Sie mehr über das Modellprojekt Smart Cities Geestland.

Auf dem Markt der Möglichkeiten, der ein fester Bestandteil jeder Regionalkonferenz ist, können Interessierte mit Kommunen aus ihrer Region in Kontakt treten sowie sich über deren Smart-City-Angebote informieren. Allen Kommunen auf dem Weg zur Smart City steht auch das Angebot Start Smart zur Verfügung. Dieses beinhaltet Beratungsangebote rund um das Thema „Smart Cities“.

Agenda Regionalkonferenz Geestland

Erscheinungsjahr 2025

Agenda zur 25. Regionalkonferenz Geestland

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Contacts

Fachliche Ansprechperson

Gesa Lehmann

DLR Projekträger
Koordinierungs- und Transferstelle Modellprojekte Smart Cities; Co-Leitung Projektbüro
Tel.: +4922838211221
Organisatorische Ansprechperson

Kirsten Bauer

DLR-PT
Koordinierungs- und Transferstelle Modellprojekte Smart Cities / DLR Projektträger

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