Smart City Modellprojekt Kaiserslautern

Kaiserslautern ist die herzlich digitale Modellstadt, das Modellprojekt und auch Modellregion im Herzen der Pfalz – und zwar für spannende und zukunftsorientierte Themen. Im Fokus der Projekte steht immer der Mensch. Digitalisierung soll uns mehr Lebensqualität schenken und Abläufe vereinfachen. Die Vorhaben „Dritter Ort“ und „Lokale Logistik“ sind zwei innovative Projekte, die gerade beginnen.

Der Dritte Ort

Das Konzept basiert auf den Arbeiten des amerikanischen Soziologen Ray Oldenburg. Dritte Orte als Räume für die Gemeinschaft ergänzen unseren Arbeitsplatz als „ersten“ Ort und unser Zuhause als „zweiten Ort“. Dritte Orte soll künftig als Teil des öffentlichen Raums generationsübergreifend und auf vielfältige Weise nutzbar sein. Sie sind als Ausgleich zu Familie und Beruf gedacht, und die Bürgerinnen und Bürger können aktiv entscheiden, wofür der Raum genutzt werden soll. Mehrere Dritte Orte sollen in der Kernstadt Kaiserslauterns entstehen und betrieben werden.

Die herzlich digitale Stadt möchte knappe Raumangebote für so viele Menschen wie möglich zugänglich machen. Spärlich genutzte öffentliche Flächen können dabei sehr verschieden und intensiver in Anspruch genommen werden. Über eine Abstimmung im Internet und analog kann dann für den Zeitraum von einigen Tagen festgelegt werden, was auf der Fläche passiert. Partizipativ werden Themen, Prioritäten, Budgets und Termine vergeben. Welche Gruppen von Einwohnern wollen einen beliebten Platz temporär nutzen und wofür? Die bisherigen Vorschläge, aus Ergebnissen von zwei Bürgerworkshops, sind vielfältig: als Skaterbahn für Jugendliche, eine Beach-Bar mit Sand und Liegestühlen, kulinarische Events mit Musik oder auch als Spielfläche für Kinder.

Auf diese Weise soll ein nicht-kommerzieller Ermöglichungs- und Begegnungsraum entstehen. Kurz: ein digital initiierter Begegnungsort, der verschiedene Alters- und Bevölkerungsgruppen ansprechen und in der realen Welt zusammenbringen soll. Die Orte werden dadurch vielseitig verwendet und erweitern das kulturelle Freizeitangebot der Stadt. Dritte Orte sollen vor allem zur Interaktion einladen:

„Wir möchten lebendige Plätze erschaffen, bei denen die Menschen aus Neugier hingehen und sich den Ideen und Aktivitäten ihrer Mitbürger und Mitbürgerinnen anschließen. Das Angebot soll ansteckend wirken, neue Bekanntschaften ermöglichen und die Stadtgesellschaft aktiver machen. Durch die Digitalisierung sollen mehr soziale und reale Räume entstehen und nicht weniger“, ergänzt Dr. Martin Verlage, Geschäftsführer der KL.digital GmbH.

Quelle: KL.digital GmbH, Miriam Weis
Quelle: KL.digital GmbH, Miriam Weis

Lokale Logistik

Weniger Fahrzeuge in der Innenstadt, geringerer Lieferverkehr, schnellerer Warentransport, ländlich geprägte Stadtteile versorgen und dabei den Einzelhandel stärken? Das moderne Leben verfolgt auch widersprüchliche Absichten: Klimafreundlichkeit und hoher Servicegrad können entgegengesetzte Ziele sein ‒ müssen es aber nicht. Alles zu vereinen klingt doch nach einer Aufgabe, oder? Der Schlüssel wird der Aufbau einer lokalen Logistik in einer mittelgroßen Stadt sein.

Das Konzept: Mehrere Logistik-Stationen werden über das Stadtgebiet verstreut aufgebaut und durch einen Fahrrad-Kurierdienst vernetzt. Diese Stationen könnten vom Aufbau her den gängigen Paketstationen ähneln. Die Bürgerinnen und Bürger bestellen Produkte beim lokalen Handel, die vom Fahrrad-Kurier in einer Logistik-Station deponiert werden. Dort können die Produkte dann (zum Beispiel mithilfe eines Pins) zu jeder Zeit abgeholt werden. Das Paket kommt also nicht bis zur Haustüre, liegt aber quasi auf dem Weg nach Hause. Man verpasst keine Zustellung mehr, weil man nicht zu Hause war. Als positive Effekte werden Liefer- und Individualverkehr reduziert, und die Waren kommen schneller zum Kunden. Um den ländlichen Raum zu stärken, ist außerdem eine „Mitbring“-Funktion angedacht. Wer in die Stadt fährt, könnte digital anbieten, Bestellungen der Nachbarinnen und Nachbarn mitzubringen. Umgekehrt wären auch Anfragen mit der Bitte um Abholung von Produkten denkbar. Diese Idee stammt aus dem Projekt „Digitale Dörfer“, das mithilfe des rheinland-pfälzischen Innenministeriums in Kaiserslautern entwickelt wurde.

Dies sind zwei von acht Projekten für das Vorhaben „Modellprojekte Smart Cities: Stadtentwicklung und Digitalisierung“. Alle weiteren Bestrebungen der herzlich digitalen Stadt Kaiserslautern sind unter https://www.herzlich-digital.de/ueber-uns/projekte/ zu finden. Eine Auflistung mit weiteren Projekten gibt es auf der Homepage der Stadt Kaiserslautern.

Kaiserslautern, Fruchthalle, Einwohnerversammlung zum Thema „Modellregion Smart City und 5G“, Übersicht, es spricht der Oberbürgermeister Klaus Weichel. 29.01.2020 Foto: Joachim Ackermann/ view
Kaiserslautern, Fruchthalle, Einwohnerversammlung zum Thema „Modellregion Smart City und 5G“, es spricht der Oberbürgermeister Klaus Weichel. 29.01.2020 Foto: Joachim Ackermann/ view
Kaiserslautern, Fruchthalle, Einwohnerversammlung zum Thema „Modellregion Smart City und 5G“, es spricht Dieter Rombach mit Holger Wienpahl (rechts). 29.01.2020 Foto: Joachim Ackermann/ view

Kaiserslautern bei der Smart Country Convention 2020

Die Stadt Kaiserslautern hat im Rahmen der Smart Country Convention 2020 an der Podiumsdiskussion „Modellprojekte Smart Cities“ teilgenommen. Dort hat Staatssekretärin Anne Katrin Bohle aus dem Bundesministerium des Innern, für Bau und Heimat mit dem CDO der Stadt Kaiserslautern, Prof. Rombach sowie mit OB Czisch aus Ulm, Erfahrungen der ersten Modellprojekte-Staffel lebhaft ausgetauscht. Im Fokus der Diskussion standen die Themen Bürgerbeteiligung und Netzwerke in Smart City Prozessen. Prof. Ziemer von der Hafenuniversity Hamburg City ergänzte die Diskussion um wissenschaftliche Erkenntnisse. Moderiert wurde die Diskussion von Marie Neumüllers vom Büro urbanizers. Hier können Sie sich die Diskussion anschauen:

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Panel „Modellprojekte Smart Cities“ bei der Smart Country Convention 2020 mit Anne Katrin Bohle (BMI), Gunther Czisch (OB Ulm), Prof. Dr. Rombach (CDO Kaiserslautern) , Prof. Dr. Ziemer (Hafenuniversity Hamburg City) und Frau Neumüllers (urbanizers)

 

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Prof. Jochen Rabe

Professur für Urbane Resilienz und Digitalisierung, Einstein Center Digital Future (ECDF), TU Berlin

Dr. Nadine Kuhla von Bergmann

Gründerin und Geschäftsführerin, Creative Climate Cities
 

Kontakt

Modellprojekte Smart Cities
smart-city-dialog@bmi.bund.de