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Geschäfts- und Betreibermodelle in der Smart City: Überblick über strategische und anwendungsorientierte Handlungsoptionen

Unter dem Thema „Geschäfts- und Betreibermodelle“ lassen sich verschiedene Bereiche zusammenfassen, die für die Umsetzung digitaler Projekte im Kontext der Stadtentwicklung relevant sind: von Fragen der Organisation und zu Prozessen bis hin zu Fragen der Vermarktung und möglicher Geschäftsmodelle.

In den letzten Jahren hat das Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR) zahlreiche Studien veröffentlicht, die sich sowohl theoretisch als auch praktisch mit diesen Fragen auseinandersetzen, Handlungsempfehlungen geben und relevante Beispiele zur konkreten Operationalisierung aufzeigen. Der folgende Beitrag gibt einen Überblick über die breite Wissenslandschaft und trägt damit zur Orientierung bei.

Organisationsformen und Prozessgestaltung als Mittel der dauerhaften Verstetigung

Das 2019 veröffentlichte Dossier „Smart Cities gestalten: Welche Rechts- und Organisationsformen wählen?“ unterstützt Kommunen bei der Wahl und Ausgestaltung einzelner Organisationsstrukturen. Die Autoren stellen die Vor- und Nachteile der Nutzung unterschiedlicher Organisationsformen bei der Umsetzung von Digitalprojekten heraus. Sie untersuchen kommunale Eigenbetriebe, Zweckverbände, GmbHs und Genossenschaften in Bezug auf das Vergaberecht, auf Möglichkeiten der Haftungsbeschränkung, der Steuerung und Kontrolle sowie der Kooperation mit anderen Beteiligten und ihrer Kostenstrukturen. Im Fokus stehen privatrechtliche und öffentlich-rechtliche Organisationsformen. Zudem stellt die Studie mögliche Formen der Zusammenarbeit mit privaten Dritten sowie Crowdfunding als mögliches Finanzierungsmodell dar.

Aktuell werden die Ergebnisse des Dossiers weiter operationalisiert: Anhand konkreter Beispiele geht es in einer laufenden Studie um die Frage, wie Kommunen interne und externe Prozesse effektiv organisieren und strukturieren können.

Die Kurzexpertise „Akteurskonstellationen in der digitalen Stadt: Ansätze zur Einbindung verwaltungsexterner Akteursgruppen in deutschen Smart-City-Vorhaben“ von 2022 greift die in der Smart City Charta geforderte Einbindung einer großen Bandbreite an Akteuren auf. Die Autoren betrachten exemplarische Smart-City-Vorhaben in Deutschland in Bezug auf eingebundene verwaltungsexterne Akteursgruppen, entsprechende Kollaborationsmodelle und auftretende Herausforderungen. Die Untersuchung zeigt unter anderem, dass jede Kommune durchaus eigene Herangehensweisen bei der Einbindung verwaltungsexterner Akteure hat. Auch innerhalb der einzelnen kommunalen Smart-City-Vorhaben selbst gibt es Unterschiede, abhängig von den konkreten Digitalprojekten. Beispielsweise kann die Kommune als zentrale Akteurin enge Arbeitskooperationen mit Beteiligten aus Wirtschaft und Wissenschaft eingehen oder aber Fördermittel für einzelne Projekte an diese weiterleiten, ohne selbst eine große Rolle in der Umsetzung einzunehmen.
 

Akteursgruppen in der Smart City
Kommune Wirtschaft Wissenschaft Zivilgesellschaft
Gebietskörperschaften, Verwaltung & Politik Nationale Akteurinnen und Akteure 
& IT-Unternehmen
Forschung & Entwicklung Ökonomische Zivilgesellschaft
Kommunale Unternehmen Lokale Ökonomie Bildung & Weiterbildung Sozial Zivilgesellschaft

Quelle: BBSR-Studie „Akteurskonstellationen in der digitalen Stadt“, abgeleitet von Mello Rose 2022: S. 10.

 

Geschäftsmodelle, In-Wert-Setzung von Daten, Ökosysteme

Ökosystem
Ökosystem-Modellierung am Beispiel des Handlungsfelds „Öffentlicher Raum“. BBSR-Studie „Das Smart-City-Ökosystem“: S. 28.

Im 2019 publizierten Dossier „Smart Cities gestalten: Potenziale und Grenzen des Kommunalwirtschaftsrechts“ gehen die Autoren auf die unterschiedlichen Länderregelungen des kommunalen Wirtschaftsrechts ein. Die zentrale Frage lautet: Ob und inwiefern dürfen die Kommunen wirtschaftlich mit Privaten konkurrieren? Damit die Kommunen wirtschaftlich tätig werden können, müssen bestimmte Voraussetzungen erfüllt sein: Die Tätigkeiten müssen einen öffentlichen Zweck verfolgen, der Leistungsfähigkeit der Gemeinde entsprechen, nicht in unzulässiger Weise in Konkurrenz zu Privaten treten (Subsidiarität) und einen örtlichen Bezug zum Gemeindegebiet haben. Anhand von Praxisbeispielen und Urteilen beleuchtet die Studie die einzelnen Voraussetzungen näher. Sie legt zudem dar, inwiefern diese Interpretationen auf den Bereich der Digitalisierung angewandt werden könnten. Was bedeutet Daseinsvorsorge in Bezug auf Digitalisierung und aktuelle, neue Geschäftsmodelle? Welche digitalen Güter oder Leistungen sind heute und in Zukunft Teil der Daseinsvorsorge?

Im Zuge der Digitalisierung erhöht sich das Datenaufkommen massiv – auch in den Kommunen. Das 2019 erschienene Dossier „Smart Cities gestalten: Kommunale Daten nutzen und in Wert setzen“ beschäftigt sich unter anderem mit folgenden Fragen: Unter welchen Bedingungen kann eine Kommune selbst Daten nutzen und in Wert setzen? Welche Grenzen setzen Datenschutz, Europarecht, Bundes- und Landesrecht? Welche Rolle spielen Open-Data-Gesetze, Umweltinformationsgesetze und Geodatenzugangsgesetze? Wann und unter welchen Bedingungen können Konzessionen, Entgelte und Gewinnaufschläge erhoben werden? Bereits heute verfügen Kommunen über viele Daten, die auch für Geschäftsmodelle von Unternehmen interessant sind – beispielsweise Klima-, Umwelt- und Verkehrsdaten. Von der Art der Daten und der (landes-)rechtlichen Regelung hängt es ab, wie Kommunen bei der Weitergabe verfahren können.

Einen strategischen Ansatz zur Positionierung einer Kommune im Umfeld eines bestehenden digitalen Ökosystems verfolgt die 2023 veröffentlichte Studie „Das Smart-City-Ökosystem: Systemlandschaften in Kommunen analysieren und gestalten“. Dabei entwickeln die Autoren eine Methodik zur Modellierung einer kommunalen Systemlandschaft und leiten daraus Handlungsoptionen und ein Referenzmodell zur Einordnung digitaler Ökosysteme ab. Die Studie liefert Handlungsempfehlungen für Kommunen, die ein Smart-City-Ökosystem gestalten wollen. Ausgangspunkt dafür ist die Gesamtheit aller technischen Systeme und der damit verbundenen Personen und Institutionen innerhalb einer Stadt. Anhand der Handlungsfelder Mobilität, Nahversorgung und Logistik untersuchen die Autoren verschiedene Akteure – unter anderem Branchen, Dienstleister sowie Nutzerinnen und Nutzer – sowie technische Systeme – wie Apps, Webseiten und Dienste – und setzen sie schematisch zueinander in Beziehung.

Querschnitt: Handreichungen und Studien zu Entwicklung, Umsetzung und Verstetigung digitaler Stadtentwicklungsprojekte

Einen Querschnitt über alle Fragen der digitalen Transformation von Städten inklusive Fragen der Organisation, des Prozesses und des Betriebs sowie diverser Handlungsansätze zu Verstetigung und Transfer bieten die beiden folgenden Studien:

Die Veröffentlichung „Die digitale Stadt gestalten: Eine Handreichung für Kommunen“ aus dem Jahr 2022 hat das Ziel, Kommunen auf dem Weg zur Smart City bei der Entwicklung einer lokalen Digitalstrategie, der Umsetzung und Verstetigung digitaler Projekte zu unterstützen. Sie adressiert insbesondere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von Verwaltungen in kleinen und mittleren Kommunen, Landgemeinden und -kreisen und soll dabei helfen, sich aktiv mit der Digitalisierung der Infrastrukturen, der Verwaltung und den Handlungsfeldern der Stadtentwicklung zu befassen. Teil eins – der Kompass – fasst zunächst Grundlagenwissen zur Smart City zusammen und thematisiert zum Beispiel Raumwirkungen der Digitalisierung, Daten in der Stadtentwicklung oder Smart-City-Governance. Teil zwei – die Arbeitsschritte – zeigen einen idealtypischen Smart-City-Prozess von der Strategieentwicklung bis zur Projektumsetzung auf (siehe Abbildung) und geben praktische Anleitungen. Der Wissensspeicher als Teil drei enthält Arbeitsmaterialien und eine Sammlung kommunaler Praxisbeispiele.

 

Infographik
Zyklen und Arbeitsschritte eines idealtypischen Smart-City-Prozesses. BBSR-Studie „Die digitale Stadt gestalten“: S. 28.

Die laufende Studie „Skalierung von Smart-City-Lösungen“ untersucht Erfolgsfaktoren, Hemmnisse und Betreibermodelle für die Skalierbarkeit kommunal getriebener Smart-City-Maßnahmen. In diesem Zuge soll eine Roadmap für die erfolgreiche Verstetigung und den breiten Transfer innovativer digitaler Lösungen entstehen. Dazu wird das BBSR 2024 einen Handlungsleitfaden zur Skalierung von Smart-City-Lösungen veröffentlichen. Dieser bietet Kommunen zusammen mit einer digital aufbereiteten Roadmap dann je nach Situation und Umsetzungsphase Orientierung, Kriterien und Erfolgsfaktoren, die die Skalierbarkeit ihrer jeweiligen Smart-City-Lösungen in den weiteren Entwicklungsschritten unterstützen können.