Smart City Modellprojekt Landkreis Wunsiedel

Ländliche Regionen in Deutschland sollen vom Fichtelgebirge lernen. So will es das Bundesministerium des Innern (BMI), das die Region als einzigen Landkreis bundesweit zur Modellregion für das Projekt „Smart Cities“ ernannt hat. Unter dem Titel „Smartes Fichtelgebirge“ wird der Landkreis digitale An-wendungen entwickeln, die sich auf andere ländliche Regionen übertragen lassen. Dafür stehen über einen Zeitraum von sieben Jahren voraussichtlich rund 15 Millionen Euro an Fördergeldern zur Verfügung.

Im Vordergrund stehen dabei die drei Dimensionen der Nachhaltigkeit; die Aspekte der Ökologie, Öko-nomie und des Sozialen müssen zusammengeführt werden. Es geht darum, Umweltbewusstsein, wirt-schaftliche Leistungsfähigkeit und gesellschaftliche Solidarität gleichwertig zu berücksichtigen.

Digitalisierung soll in den Dienst der Menschen gestellt werden

Im Fichtelgebirge hat man das Thema Digitalisierung bereits seit Längerem als Chance erkannt. Dabei geht es aber nicht darum, den Menschen in der Region Abläufe und Programme „aufzudrücken“. „Wir wollen uns nicht in den Dienst der Digitalisierung stellen“, sagt Landrat Dr. Karl Döhler. „Es geht viel-mehr darum, uns die Möglichkeiten der Digitalisierung gewinnbringend zunutze zu machen. Diese neuen technischen Chancen in den Dienst der Menschen hier im Landkreis zu stellen, das ist mein Ziel.“

Erste Projekte vor Ort haben überzeugen können und offenbar auch die Jury des BMI beeindruckt. Ge-rade im Bereich Mobilität, Energie oder Telemedizin hat der Landkreis Pilotprojekte gestartet und wird diese Aktivitäten weiter ausbauen. Im Bereich Telemedizin wird die Vernetzung von Senioren- und Pfle-geheimen mit niedergelassenen Ärzten praktisch genutzt.

Beim ÖPNV sind zahlreiche Nutzungen denkbar, der Landkreis tüftelt an Ideen, die sich um Apps oder einen autonom fahrenden Bus drehen. Neben der Elektromobilität will sich der Landkreis verstärkt mit Wasserstoff als möglicher Antriebsquelle auseinandersetzen. Hintergrund ist der bevorstehende Bau einer Power-to-Gas-Anlage zur Produktion von „grünem“ Wasserstoff im Fichtelgebirge, initiiert durch die SWW Wunsiedel und die Firma Siemens. Und auch im Bereich E-Government wird man neue Wege einschlagen, die im ländlichen Raum Vorteile mit sich bringen werden, da man nicht mehr zwingend für jeden Behördengang weite Wege in Kauf nehmen muss.

Bürgerbeteiligung als Schlüssel zur Akzeptanz

Erreichen möchte man dies durch einen intensiven Bürgerbeteiligungsprozess. Menschen aller Genera-tionen und aus allen gesellschaftlichen Bereichen mitnehmen, gemeinsam Ideen entwickeln, auf ihre Machbarkeit hin überprüfen und dann umzusetzen ‒ das soll im Fichtelgebirge gelingen. Die Projekte sollen praxisnah sein und den Bewohnern ländlicher Räume einerseits das Leben erleichtern und ande-rerseits auch die wirtschaftliche Entwicklung weiter positiv beeinflussen.

Nicht jede Idee, die in der Region vorhanden ist, wird im Alltag Bestand haben können. Das ist den Ver-antwortlichen durchaus klar. „Dieser Prozess erfordert Kreativität und Mut“, sagt Landrat Dr. Döhler. „An beidem mangelt es uns im Fichtelgebirge nicht.“

Die digitale Transformation wird eine Stärkung der Teilhabe und Demokratie, die Sicherung der regiona-len Wirtschaft und hochwertiger Arbeitsplätze vor Ort hervorrufen. Zudem wird sie den Schutz der Inte-ressen und der Privatsphäre der Bürger berücksichtigen. So soll das Fichtelgebirge als Lebens- und Ar-beitsraum attraktiver gestaltet und somit die ehemalige Landflucht in Zuzug umgekehrt werden. Dazu ist es notwendig, den Smart-City-Prozess in der Strategiephase auf eine möglichst breite Basis zu stel-len, um dann die erfolgversprechendsten Ideen in der anschließenden Umsetzungsphase gezielt verfol-gen zu können. Dafür hat man im Fichtelgebirge mit der Firma T-Systems nun auch einen starken Partner gefunden.

„‘Die Auswahl als Modellregion für Smart City ist Auszeichnung und Herausforderung zugleich‘, hat Bundesinnenminister Horst Seehofer bei der Übergabe des ersten Bescheids in Berlin gesagt. Wir hier im Fichtelgebirge freuen uns über diese Auszeichnung und sind bereit, die Herausforderung anzunehmen“, so Landrat Dr. Karl Döhler abschließend.

 

Stimmen aus dem Netzwerk

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Prof. Jochen Rabe

Professur für Urbane Resilienz und Digitalisierung, Einstein Center Digital Future (ECDF), TU Berlin

Dr. Nadine Kuhla von Bergmann

Gründerin und Geschäftsführerin, Creative Climate Cities
 

Kontakt

Modellprojekte Smart Cities
smart-city-dialog@bmi.bund.de