Smart City Modellprojekt Zwönitz

Die Stadt Zwönitz ist eine Kleinstadt im Erzgebirgskreis mit ca. 12 000 Einwohnern verteilt über acht Ortsteile auf insgesamt 64 km². Sie wurde im Juli 2019, neben zwölf weiteren Modellprojekten, vom Bundesministerium des Innern, für Bau und Heimat als Modellkommune Smart City in der Kategorie „Kleinstadt zwischen 10 000 und 20 000 Einwohner“ ausgewählt.

Am 1. November 2019 startete das neu gegründete Digitalisierungsteam des Modellprojektes Smart City Zwönitz in die zweijährige Strategiephase, in der eine Smart-City‐Strategie entwickelt werden soll. Das Team setzt sich aktuell zusammen aus einem IT‐Experten, einem Betriebswirtschaftler und einem Mitarbeiter für digitale Bürgerbeteiligung und Öffentlichkeitsarbeit. Es wird durch den Informatiker Dr. Martin Benedict geleitet. Zusätzlich wird das Team durch verschiedene Mitarbeiter aus den unterschiedlichen Fachabteilungen der Stadtverwaltung unterstützt.

Im Mittelpunkt der Strategiephase wird die Zwönitz‐App stehen, eine Kommunikations‐App für die Zwönitzer Bevölkerung, die eine Beteiligung der Bürgerinnen und Bürger an verschiedenen Prozessen vereinfacht und die Menschen intensiver in Gestaltungsprozesse einbindet. Ebenso soll über diese App ein digitales Stadtentwicklungskonzept aufgebaut werden, das die Bürgerinnen und Bürger direkt einbezieht und Entscheidungen für sie transparent und einfach nachvollziehbar darstellt.

Die Bevölkerung im Mittelpunkt der Strategieentwicklung

Die ersten Wochen der Projektarbeit waren geprägt von zahlreichen Arbeitsgruppentreffen und Bürgerveranstaltungen, denn eine Maxime steht für das Modellprojekt Smart City Zwönitz fest:

„Wir machen nur Dinge, die einen Mehrwert für die Stadt oder die Menschen hier haben. Der Mensch steht im Mittelpunkt der Smart City.“

Wolfgang Triebert (Bürgermeister der Stadt Zwönitz)

Während der ersten Phase wurde auch die Bevölkerungsentwicklung der Stadt Zwönitz analysiert. Dabei ist zu erkennen, dass die Stadt Zwönitz im Vergleich zum gesamten Erzgebirgskreis in den letzten zehn Jahren einen geringeren durchschnittlichen Bevölkerungsrückgang aufweist. In manchen Altersgruppen (30‐49-Jährige) zeigt sich sogar ein deutlich positiver Wanderungssaldo. Trotzdem verliert die Stadt Zwönitz vor allem in der Gruppe der jungen Erwachsenen (18‐29-Jährige) Einwohner und somit auch Fachkräfte für die ortsansässigen Unternehmen. Diese Entwicklungen aufgreifend, wurde für das Modellprojekt Smart City Zwönitz folgende handlungsleitende Vision festgelegt:

Die Stadt Zwönitz entwickelt sich zum Innovationszentrum für Technologieunternehmen mit einem attraktiven Arbeits‐ und Lebensumfeld. Zwönitz wird somit zum innovativen, lebenswerten Vorreiter im Erzgebirgskreis, was dazu führt, dass verstärkt junge Menschen nach Ausbildung/Studium Zwönitz als Lebensmittelpunkt wählen und die Einwohnerzahl dadurch anwächst.

Durch die Bereitstellung eines innovativen Arbeitsumfeldes und einer intelligenten städtischen Infrastruktur möchte Zwönitz damit die positiven Entwicklungen beim Familienzuzug als auch die Bindung gut ausgebildeter junger Arbeitskräfte verstärken.

Mit dem Smartphone das ERZmobil bestellen

Bereits während der Strategiephase sind neben der Zwönitz‐App weitere erste Teilprojekte geplant. Ein sehr wichtiges Thema im ländlichen Raum ist der öffentliche Nahverkehr. Da die Taktung der Busse und Bahnen nicht so dicht ist wie in Großstädten und manche Ortsteile jenseits der Schülerbeförderung kaum angebunden sind, soll ein innovatives System integriert werden, dass die Bürgerinnen und Bürger befähigt, mittels App oder Anruf anzuzeigen, dass eine Beförderungsmöglichkeit benötigt wird. Eine intelligente Software soll daraufhin dem Fahrer anzeigen, dass diese Haltestelle angefahren werden muss, und der wartende Fahrgast bekommt die Info, wann der Bus voraussichtlich da sein wird. Somit können mehr Menschen an den ÖPNV angebunden werden, während die Fahrzeuge weniger „Leer‐Haltestellen“ anfahren müssen und besser ausgelastet sind.

Online Einzelhändler im Ort unterstützen

Ein weiteres Teilprojekt, das bereits während der Strategiephase umgesetzt werden soll, ist das digitale Schaufenster. Dabei soll eine digitale Plattform geschaffen werden, die den ortsansässigen Einzelhändlern, Gastronomen und Gewerbetreibenden die Möglichkeit bietet, sich zu präsentieren und Besonderheiten sowie Premiumprodukte vorzustellen. Zusätzlich soll ein hochaufgelöster virtueller 360°‐Rundgang für jedes Geschäft angefertigt werden, sodass den Bürgerinnen und Bürgern die Möglichkeit gegeben wird, auch außerhalb der Öffnungszeiten beim örtlichen Einzelhändler zu stöbern und die Vorfreude auf den nächsten Ausflug in die Innenstadt zu steigern sowie die Sensibilität für das regionale Warenangebot zu schärfen. Ein erster virtueller 360°‐Rundgang von einem Zwönitzer Bekleidungsgeschäft ist unter https://zwoenitz.city/witbng zu finden.

Weitere Teilprojekte bereits in den Startlöchern

Das Herzstück des Zwönitzer Smart-City‐Projektes bildet ein neues Gewerbe‐ und Innovationszentrum, das in einem restaurierten historischen Fabrikgebäude errichtet wird („SPEICHER“). Es soll Ende 2022 fertiggestellt werden und ab 2023 etablierte Firmen, Start‐ups, kreative Bürgerinnen und Bürger aller Altersstufen sowie wissenschaftliche Institutionen zusammenbringen. Verschiedene Stadtakteure sollen so (digitale) Innovationen entwickeln und gemeinsam neue Formen von Arbeit und Stadtleben vorantreiben.

Ebenso sind intelligente und fortschrittliche Lösungen zur Verbesserung der Teilhabe am Stadtleben auch für Ältere bzw. Kranke als Teilprojekt für die Umsetzungsphase geplant. In Zusammenarbeit mit ortsansässigen medizinischen Dienstleistern sollen Möglichkeiten getestet werden, wie ein längeres selbstbestimmtes Leben ermöglicht werden kann bzw. wie Menschen im Krankheitsfall unterstützt werden können.

Der aktuelle Stand zu den einzelnen Teilprojekten, die Entwicklung der Smart-City‐Strategie sowie weitere interessante Informationen sind jederzeit auf der Projekt‐Website unter https://smartcityzwoenitz.de/ zu verfolgen.

 

Stimmen aus dem Netzwerk

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Prof. Jochen Rabe

Professur für Urbane Resilienz und Digitalisierung, Einstein Center Digital Future (ECDF), TU Berlin

Dr. Nadine Kuhla von Bergmann

Gründerin und Geschäftsführerin, Creative Climate Cities
 

Kontakt

Modellprojekte Smart Cities
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