Eine Gruppe von Menschen steht um einen Touchtisch mit einer Stadtplanung.
Angela Pfeiffer

Drei Städte, ein Ziel: Was Connected Urban Twins verändert hat

22.01.2026

Wie treffen Städte bessere und nachvollziehbarere Entscheidungen? Wie lassen sich Planungsprozesse transparenter gestalten und Daten gemeinsam nutzen? Und was passiert, wenn diese Kommunen Fragen nicht allein, sondern gemeinsam angehen? Im Projekt Connected Urban Twins haben Hamburg, Leipzig und München digitale Zwillinge im Verbund entwickelt. Ein Rückblick auf fünf Jahre Zusammenarbeit und gemeinsame Learnings.

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Das Projekt Connected Urban Twins (CUT) startete im Jahr 2021 mit einem einfachen Gedanken: Wenn wir die Komplexität von Städten besser verstehen wollen, müssen wir besser zusammenarbeiten. Denn trotz unterschiedlicher Ausgangspunkte in den CUT-Projektstädten Hamburg, Leipzig und München, ähneln sich ihre Herausforderungen in der Stadtentwicklung – von Quartiersentwicklung und Klimaanpassung über Mobilität bis hin zu Beteiligung.

Die drei Partnerstädte brachten unterschiedliche Verwaltungsrealitäten, politische Rahmenbedingungen und technische IT-Infrastrukturen mit – und genau darin lag eine der größten Chancen des Projekts. Statt ähnliche Werkzeuge und Datengrundlagen erneut getrennt zu entwickeln, entschieden sich Hamburg, Leipzig und München bewusst dafür, ihre unterschiedlichen Perspektiven zusammenzuführen, voneinander zu lernen und Lösungen gemeinsam zu gestalten.

Drei Städte, ein Ziel: integrierte Stadtentwicklung besser koordinieren, transparenter machen und mit belastbaren Daten unterfüttern – und das nicht dreimal separat, sondern einmal gemeinsam.

Dabei wurde klar: Urbane digitale Zwillinge entstehen nicht durch isolierte IT-Projekte, sondern durch abgestimmte Prozesse, gemeinsame Prinzipien sowie kontinuierliche und verlässliche Zusammenarbeit. So ist das „Connected“ im Projektnamen nicht nur technisch gemeint, sondern vor allem organisatorisch und arbeitskulturell.

Was wir gemeinsam aufgebaut haben

Ein Kernziel war es, eine Grundlage zu schaffen, die über einzelne Städte hinauswirkt. Dazu gehörten offene Schnittstellen, interoperable Architekturen und die Mitarbeit an der DIN SPEC 91607 „Digitale Zwillinge für Städte und Kommunen“. Die Wirkung wurde vor allem in den Use Cases sichtbar:

Diese Beispiele zeigen: Jede Stadt bearbeitete einen eigenen Schwerpunkt – und dennoch entstand ein zusammenhängendes Gesamtbild.

Was wir gelernt haben

Fünf Jahre CUT haben uns gezeigt, dass urbane digitale Zwillinge vor allem eine Frage von Organisation, Kulturwandel und verlässlicher Zusammenarbeit sind und erst in zweiter Linie ein technisches Thema. Die Projektleitungen vor Ort, Nora Reinecke (Hamburg), Mirko Mühlpfort (Leipzig) und Felix Hörmann (München), leiten daraus sechs zentrale Learnings ab:

  • Gemeinsame Grundlagen zuerst: Standards, abgestimmte Datenmodelle und klare Governance-Strukturen schaffen die Basis, auf der digitale Lösungen überhaupt gemeinsam entstehen können.
  • Vertrauen und Kontinuität sind entscheidend: Regelmäßiger Austausch, stabile Teams und gegenseitiges Verständnis waren maßgeblich dafür, dass drei Städte über fünf Jahre erfolgreich zusammenarbeiten konnten.
  • Interdisziplinär statt nacheinander: IT, Planung, Beteiligung und Wissenschaft müssen früh zusammenarbeiten. Digitale Zwillinge entfalten ihren Mehrwert nur, wenn Fachlogiken zusammengeführt werden.
  • Iterativ statt perfekt: Weder Datenqualität noch Modellarchitekturen sind jemals „fertig“. Früh starten, gemeinsam lernen und kontinuierlich nachschärfen hat sich als erfolgreicher erwiesen als Perfektionismus.
  • Reibung gehört dazu – und verbessert Ergebnisse: Unterschiedliche Verwaltungslogiken, Datenschutzanforderungen und technische Voraussetzungen führten zu Diskussionen, aber auch zu besseren Lösungen.
  • Kooperation kostet Zeit, aber schafft robustere Ergebnisse: Durch Austausch, geteilte Methoden und gemeinsame Weiterentwicklungen entstanden Lösungen, die langfristig nachhaltiger sind und keine Stadt allein in dieser Form hätte realisieren können.
     

Was bleibt, was kommt

CUT hat Grundlagen gelegt – technisch, organisatorisch und strukturell. Gleichzeitig wurde deutlich: Urbane digitale Zwillinge sind kein fertiges Produkt, sondern ein langfristiger Entwicklungsprozess, der lernorientiert, iterativ und über Jahre hinweg wächst.

Für die drei Projektstädte war eines klar: Der größte Hebel liegt nicht darin, ständig neue Werkzeuge zu bauen, sondern die entstandenen Lösungen weiterzuentwickeln, zu verstetigen und dauerhaft im Verwaltungshandeln zu verankern. Hamburg, Leipzig und München gehen diesen Weg auch ab 2026 weiter und setzen auf den Aufbau langfristiger Strukturen.

Und auch die Zusammenarbeit endet nicht mit dem Projekt: Das Projektteam will den Erfahrungsaustausch in einer Art Community of Practice fortführen – offen, lernorientiert und darauf ausgerichtet, weiteren Kommunen den Einstieg in urbane digitale Zwillinge zu erleichtern. Die gemeinsame Erkenntnis: Mit geteilter Verantwortung, gemeinsamen Standards und verlässlicher Kooperation lassen sich Lösungen schaffen, die weit über ein einzelnes Projekt hinauswirken.
 

Projektbericht Connected Urban Twins

Drei Städte, ein Projekt
Erscheinungsjahr 2025

Hamburg, Leipzig und München präsentieren Lösungen für die integrierte Stadtentwicklung: Der CUT-Projektbericht bündelt die Ergebnisse aus fünf Jahren städteübergreifender Zusammenarbeit – von strategischen Grundlagen bis zu konkreten Anwendungen. Er ist zugleich Abschlussdokumentation und Impuls für die Zukunft der digitalen Stadtentwicklung. Der Bericht enthält anschauliche Anwendungsbeispiele, Interviews und eine Toolbox, die Städte und Kommunen auf dem Weg zu eigenen Urbanen Datenplattformen und Digitalen Zwillingen unterstützt.

Vorschaubild für Datei Projektbericht Connected Urban Twins
Autorinnen und Autoren

Marina Brink

Senat der Freien und Hansestadt Hamburg – Senatskanzlei, Amt für IT und Digitalisierung
Connected Urban Twins - Öffentlichkeitsarbeit

Dr. Nora Reinecke

Senat der Freien und Hansestadt Hamburg – Senatskanzlei Amt für IT und Digitalisierung
Digitalstrategien ; Gesamtprojektleitung Connected Urban Twins (CUT)
Tel.: +4917642861805