Open Source: Gemeinsam zu besseren und nachhaltigen Lösungen

Smart Cities nehmen die Entwicklungen von digitalen Anwendungen selbst in die Hand und setzen dabei auf Open-Source-Lizenzen und offene Quellcodes. Davon können auch andere Kommunen profitieren. Initiativen aus den Modellprojekten Smart Cities (MPSC), für die Open Source und deren Übertragbarkeit ein zentrales Förderkriterium sind, haben bereits nachhaltige Effekte. Die Entwicklungsgemeinschaft „Open SmartCity App“ unter Federführung des MPSC Solingen zeigt, wie gemeinschaftliche Entwicklungen auf Augenhöhe funktionieren. Die Datenbank Smartfloss, initiiert vom MPSC Jena, macht kommunale Open-Source-Projekte sichtbar.

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Aktuelle Baustellen, Wetterdaten, freie Ladestationen für E-Autos oder Terminbuchungen im Bürgerbüro: Diese und weitere Funktionen bietet die „Mensch, Solingen!“-App, die sich die Bürgerinnen und Bürger der Klingenstadt kostenlos auf ihr Smartphone laden können. Bei der City-App haben die Solinger bewusst nicht auf ein herstellergebundenes System von der Stange gesetzt: Die App ist eine Eigenentwicklung auf Basis von „Open Source“, freie und offener Software. Alexander Osterhold, Chief Data Scientist und und verantwortlich für die technische Infrastruktur im Modellprojekt Smart Cities (MPSC) solingen.digital, ist überzeugt: „Wenn uns als Stadt der Entwicklungsaccount gehört, ist dies nachhaltig, stärkt dies auch unsere digitale Souveränität.“ Für Open-Source-Überzeugungstäter Osterhold ist es zudem zentraler Vorteil von freier Software, dass Lösungen mit anderen geteilt werden können.

Kein Korsett: Jeder darf, keiner muss

In der Entwicklungsgemeinschaft „Open SmartCity App“ bringen Solingen und aktuell neun weitere Kommunen darunter viele MPSC (Dortmund, Lemgo und Kalletal, Mönchengladbach, Oberhausen und Wolfsburg) die App voran: „Jede Kommune hat ihre eigenen Herausforderungen“, so Osterhold, „es ist uns daher wichtig, den gemeinschaftlichen Ausbau der App auf Augenhöhe und ohne ein enges Korsett zu ermöglichen.“ Es gibt ein gemeinsames Verständnis: Lust auf Zusammenarbeit, Wissen teilen und die Überzeugung, dass zusammen bessere Lösungen entstehen.   

Die beteiligten Kommunen nutzen einen Entwicklungsserver für alle und stellen sich die Ergebnisse und Anwendungen in Form von offenen Quellcodes und Anwendungsbeispielen gegenseitig zur Verfügung. Ein Erfolgsfaktor war die zu Beginn der Zusammenarbeit vorgenommene Modularisierung der einzelnen Funktionen: Die Bestandteile der App sind „wie die Scheiben eines Toastbrots“ einzeln verfügbar. So hat jede Kommune die freie Entscheidung, welche Funktionalitäten und welches Design sie ihrer Stadtgesellschaft anbietet. Es gibt ein Basisdesign, welches unkompliziert genutzt werden kann – darüber hinaus kann jede Kommune ihre App auch individuell, dem eigenen Markenauftritt gemäß gestalten.

Geförderte Lösungen stehen allen zur Verfügung

Die App-Entwicklungsgemeinschaft unter Federführung von Solingen ist ganz im Sinne der Bundesinitiative „Modellprojekte Smart Cities“: Hier werden beispielhaft strategische und integrierte Smart-City-Ansätze entwickelt und erprobt, um vielfältige Lernbeispiele für alle Kommunen in Deutschland zu schaffen. Geförderte Software-Lösungen sollen als Open-Source beziehungsweise als freie Software allen Kommunen zur Verfügung gestellt werden.

Alexander Osterhold lädt weitere Kommunen ein, sich an der „Open SmartCity App“ zu beteiligen. Entscheidend sei die Denkweise: „Wir wollen kein professioneller Anbieter für App-Programmierung sein, sondern gemeinsam souveräne Lösungen suchen.“ Osterhold hofft, dass die gemeinsame Entwicklung auch dazu beiträgt, Vorbehalte gegenüber Open Source abzubauen: „Wer sich auf Open Source einlässt, merkt schnell, dass sich die Ressourcen und die Zeit, die man am Anfang mehr investiert, schnell lohnen.“

Die „Mensch, Solingen!“-App Bild: Solingen digital

SmartFloss macht Projekte sichtbar

Open-Source-Entwicklungen im Smart-City-Kontext sind längst nicht auf Apps beschränkt: Das zeigt die vom MPSC Jena ins Leben gerufene Datenbank SmartFloss. Ziel der Initiative ist es, die Open-Source-Entwicklungsprojekte für Smart Cities sichtbar zu machen und die interkommunale Zusammenarbeit zu befördern. „Open Source ist kein Hexenwerk, aber wenn man weiß, dass man an denselben Themen arbeitet, hilft das unheimlich weiter“, sagt SmartFloss-Initiator Martin Berger, der beim MPSC Jena für Digitale Infrastruktur und Datenpolitik verantwortlich ist. Rund 20 Projekte – von Beteiligungsplattformen über Anwendungen zum „Smart Parking“ bis zu einer Software für Drohnen, die im Vorbeiflug den Gesundheitszustand von Bäumen erfassen können –, sind derzeit bei SmartFloss registriert. Teilweise sind die Repositories, also die zentralen Ablageorte für Quellcodes und Softwarebestandteile, bereits verlinkt. Berger hofft, dass weitere Beispiele folgen: Die Projekte können auf der Seite, die als Wiki aufgebaut ist, selbst eingetragen werden.

Berger kann sich auch vorstellen, dass SmartFloss irgendwann in einer anderen Datenbank aufgeht: Mit Open CoDE ist kürzlich eine gemeinsame Plattform der Öffentlichen Verwaltung für den Austausch von Open-Source-Software – derzeit noch im erweiterten Probebetrieb – an den Start gegangen. Auch die Koordinierungs- und Transferstelle (KTS) wird die MPSC und weiteren Kommunen bei gemeinschaftlichen Entwicklungsvorhaben unterstützen: Geplant sind unter anderem virtuelle Kollaborationsräume und ein Repository für die Verwaltung von Open-Source-Entwicklungsergebnissen.